Kultur
12.05.2017

Filmfestival Cannes: Schlappe für Netflix

Der US-Streamingdienst Netflix ist dieses Jahr mit zwei Produktionen im Rennen um die Goldene Palme. Nach Protesten kündigt die Festivalleitung eine Regeländerung ab 2018 an.

Niederlage in Cannes für Netflix: Ab nächstem Jahr sind Filme, die nicht im Kino starten, nicht mehr beim Filmfestival zugelassen. Netflix ist heuer mit dem Monsterfilm „Okja“ von Bong Joon-Ho (mit Jake Gyllenhaal und Tilda Swinton) und mit der Indie-Komödie „The Meyerowitz Stories“ von Noah Baumbach (mit Dustin Hoffmann und Ben Stiller) im diesjährigen Filmwettbewerb von Cannes im Rennen um die begehrte „Goldene Palme“.

Die beiden von Netflix produzierten Produktionen sind laut FAZ vom Festivalleiter Thierry Fremaux mit der Begründung ausgewählt worden, dass sie künstlerisch wertvoll seien. Das kritisierte die Vereinigung französischer Kinos (FNCF). Sowohl französischen, als auch internationalen Kinobetreibern ist die Strategie des Video-On-Demand-Dienstes schon länger ein Dorn im Auge: Die eigenproduzierten Filme sind für Netflix-Kunden bereits parallel zu den Kinostarts online abrufbar.

Kompromissbereitschaft von Netflix umsonst

Netflix-Chef Reed Hastings zeigte sich zwar kompromissbereit und wollte die beiden Produktionen für eine limitierte Zeit in französischen Kinos zeigen, eine Lösung konnte aber nicht gefunden werden. Anders verhält es sich beim Streaming-Konkurrenten Amazon, der ebenfalls mit zwei Streifen vertreten ist. "Wonderstruck" von Todd Haynes und "You Were Never Really Here" von Lynn Ramsay waren bereits vorab in ausgewählten Kinos zu sehen.

Das Filmfestival reagierte auf die Diskussionen und entschied, dass sich alle zugelassenen Filme ab 2018 zu einem Kinostart in Frankreich verpflichten müssen. Dieses Jahr bleibt Netflix allerdings noch unter den Nominierten. Das Festival beginnt am kommenden Mittwoch.

Disruption

Der Kampf um die künstlerische und wirtschaftliche Deutungshoheit hat nun auch die Kinos erfasst. Das Filmfestival von Cannes hat nach heftigen Protesten der Lichtspielstätten der Grande Nation beschlossen, Filme nur mehr dann in den Wettbewerb aufzunehmen, wenn sie zuerst auch in regulären Kinos zu sehen sind.

Es handelt sich bei dieser Ausweitung der digitalen Kampfzone um eine „Lex Netflix“: Der digitale Player verärgert auf beiden Seiten des Atlantiks die Kinobetreiber mit seiner Politik, Kinofilme zwar zu drehen, aber eigentlich nicht in Sälen, sondern via Internet auszustrahlen.
Dabei geht es nicht nur um Stilfragen: Das Kino merkt die Disruption seines Geschäftsmodells durch die Raubfische aus dem Silicon Valley bereits sehr stark: Anspruchsvolle Themen werden dort im Serienformat behandelt.

Dass nun auch im klassischen Film-Set-up gewildert wird, ist zu viel des Guten. Und ein guter Grund mehr, zu Hause zu bleiben.