Kultur
08.02.2017

"Fifty Shades", Teil 2: Streng sind die Klischees

Ein Mann mit einer Maske über den Augen. © Bild: /UPI

Der zweite Teil der SM-Romanze erfüllt seinen Zweck durchaus.

Es gibt viele schwierige Fragen im Leben, die nach dem Sinn und der lebbaren Moral und auch die, was man am Abend denn essen soll.

Es gibt aber auch Fragen, deren Beantwortung keinerlei Schwierigkeit darstellt; ja bei denen die Antwort mehr oder weniger (Vorsicht, Schmäh, der sich gleich erklärt) auf der HAND liegt.

Etwa jene Frage, die sich Christian Grey, der romantischste Sadist der Gebrauchsliteratur, im Laufe von "Fifty Shades of Grey 2 – Gefährliche Liebe" stellt. Ob er sich nämlich zu Füßen von Anastasia werfen soll, um ihr zu huldigen – oder ihr lieber den Hintern versohlen soll. Er legt natürlich Hand an (die Pointe zum angekündigten Schmäh!).

Filmseite © Bild: /UPI
Dass er sich dem Hintern Anastasias überhaupt widmen darf, war am Ende des von der Kritik, sorry, ordentlich versohlten, vom Publikum aber freudig ertragenen ersten Teils gar nicht so klar. Die gemeinsamen Ausritte in die Aua-Bereiche des Sex haben zwar ganz viele Leser- und Filmseherinnen mit neuen Ideen versorgt, wie man nach dem anstrengenden Büroalltag die Nacht pfeffriger gestalten könnte.

Anastasia und ihren strengen Milliardär aber überkam die Emotion, woraufhin sie sich trennten.

In der Fortsetzung probieren sie es noch einmal miteinander. Und Anastasia fasst die Handlung alsbaldigst zusammen: "Ich wollte romantisch sein, aber du störst mich mit deiner sexy Herumtuerei", wobei "Herumtuerei" entschärft ist, um das Lesevergnügen nicht mit strengen Wörtern zu trüben.

Traumwelten

Also dann: Christian ist mächtig, reich und durchtrainiert, aber auch sehr arm, so emotionsmäßig. Anastasia wiederum schaut unschuldig aus und ziert sich auch (kurz), ergibt sich aber dann dem starken Mann. Das war die Zusammenfassung des ersten Teils, und dann auch gleich des zweiten Teils.

Neu ist: Man erfährt mehr über die schwierige Kindheit von Christian, dass Seattle extrem schön ist, und was lustige Kugeln an einer Schnur tun können. Man bekommt vorgeführt, was Niederknien alles sein kann, von romantisch bis huch.

Was man schon wusste: Geld macht sexy, aber nicht glücklich, Sex macht im besten Fall glücklich, ist aber auch nicht so simpel, und die Vorlage zum Film war ein Weltbestseller und nicht das, was in den Kanon der Hochliteratur gehört.

Das Strengste an "Fifty Shades" sind die Klischees.

Aber das spielt diesfalls gar keine Rolle: Autorin E. L. James machte Sadomaso zum Thema der gesellschaftlichen Mitte, viele, die sich zuvor für ihre Vorliebe genierten, mussten das nicht mehr, und das ist doch mal etwas.

Filmseite © Bild: /UPI
James Foley drehte zur Vorlage einen Film, der seinen Zweck erfüllt: Ein bisserl verrucht, ein bisserl Romantik und viele schöne Dinge zum Anschauen. Dakota Johnson und Jamie Dornan tun ihr Möglichstes.

Fifty Shades of Grey 2 – Gefährliche Liebe. USA 2017. Von James Foley. Mit Dakota Johnson.