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© JFK Library

Fiesta
07/31/2013

Hemingway mochte "Horseshit"

Der berühmte Roman klingt mit jahrzehntelanger Verspätung nach dem Amerikaner.

von Peter Pisa

Ernest Hemingway gefiel es, dass seine deutsche Übersetzerin Horseshit hieß, Pferdescheiße.

Von so einer Frau trennt man sich nicht.

Freilich hieß die Berlinerin anders. Horschitz, Annemarie Horschitz. Aber Hemingway verstand es falsch; und sie, über den für Amerikaner so dummen Namen verärgert, hängte danach gewissermaßen ihren Ehemann hinten dazu: Annemarie Horschitz-Horst.

Sie übersetzte alles von Hemingway, war von ihm dazu autorisiert worden. Dass „Der alte Mann und das Meer“, „Fiesta“ usw. eher nach Horschitz klangen, störte den Schriftsteller nicht. Als ihm die Rowohlt-Verlegerin nach dem Krieg eine Liste von Fehlern übermittelte und um Zustimmung zu einer Neuübersetzung bat, erkundigte er sich nach der Höhe der Auflage.

Hemingways Bücher gingen im deutschsprachigen Raum viel besser weg als im übrigen Europa.

Und deshalb sagte er:

„The translation seems to be alright.“

Erbschaft

Erst im Vorjahr schlug der (trotzdem sehr verdienstvollen) Horschitz-Horst die Stunde. Zwar starb sie schon 1970 in der Nähe von Wien, doch erbte ihre Tochter das Urheberrecht und ließ nicht einmal Korrekturen zu. Doch langsam erlischt es, eben erst bei „Fiesta“ (1926): die verlorene, saufende Generation Amerikas in Paris und beim Stierkampf in Pamplona. Die Männer wollen gern wie Toreros sein und sind nicht einmal mehr Männer. Die Liebesgeschichte mit einer männlicheren Frau ist traurig.

Werner Schmitz ist der Neue (bekannt als Übersetzer von Philip Roth, Paul Auster), der versucht, Hemingway die Einfachheit zu lassen inklusive Wiederholungen, ohne dass der Roman schlecht geschrieben ausschaut. Synonyme mag Schmitz gar nicht. Alles soll sein, wie es ist.

Der Nobelpreisträger wirkt nun entschlackt, luftiger, offener, das wichtige Wort „verdammt“ fällt nicht mehr so oft unter den Tisch.

Beispiel:

Bei Horschitz-Horst nahm die Fiesta ungestört und ohne Unterbrechung ihren Lauf. Werner Schmitz reicht völlig, dass die Fiesta ununterbrochen weiter ging.

Bei Horschitz-Horst stand der Stier, „um getötet zu werden, auf seinen vier Beinen im Quadrat“. Dass er „wie angewurzelt“ stand, kommt dem Original näher.

Schlusssatz Horschitz-Horst, es handelt sich um ein Zitat: „Ganz schön, sich das auszumalen, nicht wahr.“ Klingt gar nicht übel. Ist aber nicht von Hemingway. Jetzt hört die „Fiesta“ einfach auf mit: „Ist das kein schöner Gedanke?“

Ein sehr schöner Gedanke ist das, dass Hemingways berühmtester Roman seit einigen Tagen „echter“ ist: 20.60 Euro, Rowohlt Verlag.

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