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Festwochen? Festwocherl? Nestwochen?

Ein Antrag an das (fiktive) Kulturamt anlässlich des zu Ende gehenden Festivals. Eine Ein- und Ausladung gab es übrigens auch in Bayreuth.
Ein Schreibtisch mit Aktenordnern, einem Stempel, einer Kaffeetasse und abgelehnten Dokumenten, über dem ein Paragraphenzeichen an einem Spinnenfaden hängt.

Sehr geehrtes Kulturamt!

Wenn ich richtig gelesen habe, gehen die Wiener Festwochen heute zu Ende. Ich frage mich: Haben sie überhaupt begonnen? Ich habe künstlerisch so gut wie nichts mitgekriegt, außer einen seltsamen Streit rund um die Ein- und Ausladung eines deutsch-amerikanischen Weltuntergangspropheten. Ich erinnere mich noch an Zeiten, als die Festwochen die ganze Wiener Stadt geprägt haben, als jeder wusste, was hier passiert. Daher mein Antrag an Sie: Wenn das wirklich schon die Festwochen waren, sollten sie kommendes Jahr nicht mehr unter diesem Namen stattfinden, das haben die Festwochen nicht verdient. Sollen sie doch als Festwocherl abgehalten werden. Oder als Nestwochen für die Clique, die sich dort noch wohlfühlt. Aber Festwochen ist ein zu großes Wort.

Nix für ungut und Grüße, L. B.

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Sehr geehrter L. B.,

vielen Dank für Ihr Schreiben, dessen Einlangen wir hiermit gerne bestätigen (Geschäftszahl 21/2026). Allerdings sehen wir uns außerstande, eine Namensänderung zu verordnen, weil ein solcher Antrag von den Betroffenen selbst kommen und von unseren Kollegen im Standesamt genehmigt werden müsste – selbst dort würde es triftige Gründe erfordern wie unzumutbare Nachteile aufgrund eines lächerlichen Namens. Das ist bei „Wiener Festwochen“ definitiv nicht so. Wir geben Ihnen aber dahingehend recht, dass die Festwochen von einst mit jenen von heute wenig zu tun haben. Das Festival selbst verwendet wohl auch darob Beinamen wie „Freie Republik“ oder „Republic of Gods“. Möglicherweise hängen wir im Kulturamt aber auch einem allzu traditionellen Kulturverständnis an, wonach Festwochen als solche erkennbar und von qualitativ erstklassiger Kunst durchzogen sein müssten.

Zu einzelnen Aufführungen Stellung zu nehmen, maßen wir uns an dieser Stelle nicht an, wir waren jedoch selbst nicht sicher, ob die sogenannten Festwochen gerade stattfänden oder nicht. Die Ein- und Ausladung der von Ihnen erwähnten Person haben auch wir registriert und waren über die Handhabung des Vorfalles entsetzt. Dass so etwas übrigbleibt, stimmt uns traurig.

Aber auch anderswo hatte man zuletzt Probleme mit -Ladungen. So sollte etwa bei den Bayreuther Jubiläumsfestspielen (150 Jahre) Michel Friedman eine Rede halten, er wurde ausgeladen und die ganze Veranstaltung abgesagt, was für derart große Erregung auf der nach oben offenen Peter-Thiel-Skala sorgte, dass er nun doch wieder eingeladen wurde. Offenbar sitzen an der Spitze mancher Kulturinstitutionen Menschen, die ohne viel Rückgrat mäandern.

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