Kultur
18.09.2017

Fendrich-Musical: Windbäckerei mit Wiener Schmäh

"Nix ist fix", singt Rainhard Fendrich. Fix ist nur, dass "I am from Austria" als Musical im Raimund Theater ein harmloser Spaß geworden ist.

Das Bonbon war schon gelutscht: Mit "Mamma Mia" und den Abba-Hits. Und mit "Ich war noch niemals in New York". Jetzt also "I am from Austria".

Aber Rainhard Fendrich ist nicht Udo Jürgens. Der eine behielt die Kontrolle über die Erfolgsproduktion mit bisher 3200 Vorstellungen.

Der andere lieferte nur ein Best-of seiner alten Hadern, die – mit Michael Reed – ein Vollprofi des Genres für ein 21-köpfiges Orchester fit gemacht und mit Geigenschmalz unterfüttert hat.

Auch wenn Fendrich sagte, ein Song müsse allein mit Stimme und Gitarre funktio-nieren: "Strada del Sole", "Haben Sie Wien schon bei Nacht geseh'n", "Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk" oder "Macho Macho" funktionieren auch im X-Large-Format.

Dass die ursprünglich intendierte Sozial- und Gesellschaftskritik, dass sein Sarkasmus beim schnöden Publikumsbespaßen wegfällt, fällt wohl nur dem auf, der genau hinschaut und -hört.

Die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) haben aus den Hits eine operettig-kabarettistische Revue gezimmert. Mit einer Bühnenästhetik, deren Kitsch kaum zu überbieten ist. Und mit allen – ich wiederhole: allen – Klischees, die sich zu Österreich nur aufbieten lassen. Allerdings nur eindimensional, ohne wirklich damit zu spielen. Ohne eine zweite, subtile Humorebene erkennbar zu machen.

Optisch wird das Musical teilweise zum Grusical. So sollte Pink auf den Bühnen der VBW jetzt besser Hausverbot erhalten für einige Zeit.

Die Hotel-Torte auf der permanent kreisenden Drehbühne – mit Projektionen beeindruckend bespielt – wirkt wie aus dem Schaufenster des Demel.

Dass vieles vom Udo-Jürgens-Musical abgekupfert und nur vom Traumschiff ins Luxushotel "Edler" verlegt wurde, und bei der Story noch mehr aus der Filmkomödie "Notting Hill" knapp am Plagiat vorbei einfach kopiert wurde, sei nur nebenbei bemerkt, ist aber fast schon eine Chuzpe.

Heitere Revue

Lukas Perman geriert sich als romantischer Held und pfiffiger Hotelierssohn wie in einem Peter-Alexander-Film-Remake. Iréna Flury. die "blonde Kaisersemmel", ist stimmlich überfordert und nie das, was sie sein sollte: ein Hollywood-Star, der nach Wien zurückkehrt.

Martin Bermoser outriert bis zum Exzess und ist die Karikatur ihres Managers. Andreas Steppan unterspielt als Lakoniker den Hotelbesitzer, und Elisabeth Engstler gibt seine nichts als nur biedere Frau. Die meisten Lacher hat die trockenhumorige Dolly Schmidinger als schrullige Concierge.

Mangelnde Personenführung ist seit jeher ein Schwachpunkt in der Regiearbeit von Andreas Gergen. Auch mit Respekt vor Kim Duddys Leistungen in vielen Jahren: Das Bewegungsrepertoire des hüftflexiblen Ensembles kommt einem von anderen Musicals schon so bekannt vor, dass sich die Frage stellt: Wo bleibt der neue choreografische Input?

Kein Zweifel, die Produktion wird ihr Publikum finden. Seichtes kommt immer an. Und bei den VBW scheint hier der Gedanke gewesen zu sein: Im Seichten kann man nicht untergehen.

Oberflächliches, Peinliches und Geschmackloses sind schon lange kein Hindernis für kommerziellen Erfolg. Und den brauchen die VBW dringender denn je.

"I am from Austria" muss man mögen. Wie in wenigen Wochen die Windbäckerei, die auch Sodbrennen macht.

Die VBW auf "Verschleuderkurs" werben um Frühbucher: An ausgewählten Terminen gibt’s zu einem Kaufticket ein zweites gratis.