Der unvergessene Marcello Mastroianni, der große Fellini-Hauptdarsteller, in einer zentralen Projektion im Museum.

© Andrea Affaticati/ @ComuneRimini

Kultur
08/30/2021

Fellinis Visionen an der Adriaküste

Rimini, die Geburtsstadt des Filmregisseurs, ehrt den Maestro mit einem Museum, das die Besucher auffordert selbst ihre Visionen auszuleben

von Andrea Affaticati

Aus Rimini Andrea Affaticati Eigentlich hätte das Fellini Museum, das die adriatische Provinzstadt Rimini ihrem berühmtesten, 1993 verstorbenen Mitbürger, dem Filmregisseur Federico Fellini gewidmet hat, schon vor einem Jahr, zu seinem 100. Geburtstag – Federico Fellini kam am 20. Jänner 1920 zur Welt – eröffnet werden sollen, doch die Pandemie kam dazwischen. Und so erfolgte die Einweihung im Castello Sismondo, eine Burg im Herzen der Altstadt, erst am 19. August 2021.

„Nichts weiß man, alles stellt man sich vor“, pflegte Fellini zu sagen. Auch er trat am Anfang in die Fußstapfen des damals hochgepriesenen italienischen Neorealismus, setzte diesem aber eine Brille auf, durch die auch die Träume, innere Triebe, Widersprüchlichkeiten, geheime Fantasien, Obsessionen seiner Mitbürger und die seinigen, sichtbar wurden.

Seine Meisterwerke, „Das Lied der Straße“, (1957), „Die Nächte der Cabiria“ (1958), „8½“ (Achteinhalb, 1963), „Amarcord“ (1975) und „La Dolce Vita“ (1960), um nur die international bekanntesten zu nennen – die ersten vier auch mit dem Oscar als Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet – schöpften aus seiner Biografie, seinen Jugendjahren in Rimini („Die Müßiggänger“, 1953), seiner ersten Begegnung mit Rom („Roma“, 1972), gaben diese aber nicht eins zu eins wieder, sondern verwandelten sie in kaleidoskopische Visionen.

Dem Maestro, seinem Werk, gerecht zu werden, stellte für international renommierte Medienkünstlergruppe Studio Azzurro eine einmalige Herausforderung dar. Wie konnte man seiner Maxime „Der einzige wahre Realist ist der Visionär“ gerecht werden? „Die Antwort lieferte uns der Begriff Spettatore, der vom verstorbenen Paolo Rosa, einer der Mitbegründer von Studio Azzurro, stammt“, erklärt der Kurator und Professor für Filmgeschichte in Venedig Marco Bertozzi dem KURIER. „Rosa meinte damit, dass der Besucher nicht mehr nur Spettatore, Zuschauer sein sollte, sondern auch Autor.“ Oder eben Visionär.

Die neuen multimedialen Technologien waren bei der Umsetzung dieses Konzepts von großer Hilfe, denn sie ermöglichten es, den Exponaten Leben einzuflößen. Paradigmatisch hierfür ist der Saal „Buch der Träume“. Fellini war nicht nur ein Maestro des Films, er war auch ein begnadeter Zeichner.

Skizzierte Träume

Seit Anfang der 60er-Jahre zeichnete er auch seine Träume auf, die sich oft in filmische Visionen verwandelten. Träume die der Besucher wieder lebendig macht. Das Buch liegt in einem Schaukasten und wird von einem zentralen Strahler von oben beleuchtet.

Der Atem des Besuchers setzt die Installation in Gang: Die Seiten erscheinen und vergrößern sich an den Wänden des Raums. Werden die Luftzüge vom Computersystem nicht mehr erfasst, verblassen sie. In einem anderen Saal sind Bilderschaukeln angebracht, die eine Verbindung zwischen dem Alltag und die daraus folgenden Visionen Fellinis veranschaulichen: Auf den einen sieht man Szenen aus seinen Filmen, auf den anderen Ausschnitte aus den Wochenschauen von damals.

Und dann ist da noch der Saal mit den Beichtstühlen. Öffnet der Besucher deren Flügeln erscheinen die Mitarbeiter, die ihm ihre Beziehung zu dem Maestro „beichten“. Und natürlich sind auch die großen Darsteller seiner Werke überall präsent, allen voran seine Frau Giulietta Masina, Marcello Mastroianni und Anita Ekberg.

Der Hauptsitz des Fellini Museums ist die Burg Sismondo, hinzu kommt das nahe gelegene Kino Fulgor, in dem der kleine Fellini den ersten Film sah. Es soll in Kürze auch als Recherche- und Dokumentationsort den Fellini-Liebhabern und –Forschern zugänglich sein. Und dann die Piazza Malatesta, einst Parkplatz zwischen dem Theater Galli und dem Castello. Seine Umgestaltung erinnert an die Schlussszene mit der Manege von 8½ und wird deshalb auch Platz der Träume genannt.

„Rimini ist ein Knotenpunkt der tausendjährigen Geschichte unseres Landes“ sagt Andrea Gnassi, Riminis Bürgermeister und Seele dieses Projekt dem KURIER. „Hier waren die Römer zu Hause, hier erlebt man die Kunstgeschichte hautnah, ihre Evolution, bis hin, zu den von Fellini meisterhaft dargestellten Ängsten und Sehnsüchten des 20. Jahrhunderts.“

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