Falco im Jahr 1992

© KURIER/Kristian Bissuti

Remix me, Amadeus
01/26/2017

Falco: Eine neue Generation entdeckt den Weltstar aus Wien

Falcos Musik wird derzeit von jungen Musikern neu unter die Lupe genommen.

von Georg Leyrer

  • Falco, Österreichs größter internationaler Popstar dank "Rock me Amadeus", wäre heuer 60 Jahre alt geworden.
  • 17 heimische und internationale junge Musiker widmen sich aus diesem Anlass bei der Red Bull Music Academy in Schloss Pellendorf der Musik Falcos - und geben dieser ein zeitgemäßes Remix-Gewand.
  • Der KURIER hat sie bei der Arbeit besucht - mit Falco-Entdecker Markus Spiegel, der schon bei der Entstehung vieler der nunmehr remixten Original-Songs dabei war.

Im ehemaligen Bedienstetentrakt von Schloss Pellendorf entstehen gerade drei neue Versionen von Falcos "Rock me Amadeus", und das, obwohl es mucksmäuschenstill ist.

Musik wird heute am Laptop gebastelt und im Kopfhörer testgehört. Kopf nickend sitzend also drei junge österreichische Musiker – Motsa und das Duo Ogris Debris – hinter ihren Laptops; über die Schirme flimmern jene bunten Linien, die im Musikbearbeitungsprogramm für die Tracks, Beats und Instrumente stehen. Daniel von Ogris Debris steht auf, schnappt sich den Kopfhörer von Motsa, hört kurz rein – und lacht. Falco ist in vielen der Remixe in hochmodernes Musikgewand gekleidet – und so kaum wiederzuerkennen.

Im sonst nicht zugänglichen niederösterreichischen Schloss bei Gaweinstal, zwischen alten Jagdtrophäen und Porträts, entlang langer Flure und umgeben von elektronischem Musikequipment, widmet sich derzeit eine junge Generation heimischer Musiker dem Übervater des internationalen Pops aus Österreich. 60 Jahre wäre Falco am 19. Februar geworden, natürlich Anlass genug für Neuveröffentlichungen bei Sony und diverses TV-Sonderprogramm. Und für die Red Bull Music Academy, unter dem Motto "Junge Römer" 17 Künstler, zum Großteil aus Österreich, auf Falcos Musik loszulassen – sowie internationale Stars wie Techno-Pionier Carl Craig nach Wien zu bringen.

Ein KURIER-Besuch in Pellendorf zeigt: In diesem generationenübergreifenden Remix-Projekt muss sich der Falke schon ordentlich anhalten. Unter den Fingern von Mirac und der aus Taiwan stammenden Rayray wird "Nie mehr Schule" zum wild brummenden Dubstep-Gewitter; Falco-Entdecker und KURIER-Autor Markus Spiegel (siehe unten) liefert Kontext:

Mavi Phoenix und Alex the Flipper wiederum widmen sich, hinter verschlossenen Fensterläden und vor goldumrahmten Bildern sowie einem kleinen Heizstrahler sitzend, dem "Kommissar" (1981), knapp eineinhalb Jahrzehnte aufgenommen, bevor die Linzerin Mavi Phoenix auf die Welt kam.

"Am letzten Schultag haben wir ,Nie mehr Schule‘ gesungen", sagt Mirac. So richtig gehört, so sagen viele der jungen Musiker, haben sie Falco aber eigentlich nicht: Aber "vor allem das erste Alben trifft den Zeitgeist wieder", sagt Mavi Phoenix. "Das ist so out, dass es schon wieder in ist", ergänzt Alex the Flipper – und lacht.

Remixen, um zu leben

Der musikalische Einfluss Falcos auf andere heimische Acts war wohl nie überragend – zu einzigartig und in sich geschlossen war das Image und der Sound des Kurzzeit-Weltstars aus Wien.

Dennoch scheint er auch fast 20 Jahre nach dem Tod auf viele andere Arten spürbar: "Unser Studio ist zwei Minuten entfernt von der Ziegelofengasse, wo er gewohnt hat", sagt Gregor von Ogris Debris. "Und das Wirtshaus zum Alten Fassl, wo immer ein Platz für ihn reserviert war, ist auch eines unserer Mittagsziele." Die Tragweite von Falcos Erfolg hat die jetzige Generation nicht wirklich mitbekommen: "Als ,Rock Me Amadeus‘ erschienen ist, war ich sieben Jahre alt. Die Tragweite, dass das auch ein großer amerikanischer Hit war, war mir damals nicht bewusst."

Überschattet von den Hits Falcos, findet sich aber auch viel für heutige Musiker lohnendes Material: "Die Punk-Attitüde, die er von Drahdiwaberl gehabt hat", sei in manchen der frühen Tracks zu spüren, sagt Gregor, etwa im "schrägen Zeug" auf "Einzelhaft". "Mehr als in den späteren Produktionen, die Richtung Pop gehen. Und wo er vielleicht auch darunter gelitten hat, sich in ein Korsett einfügen zu müssen und die Rolle weiterzuspielen. Und nicht so extrem sein zu können, wie er wollte."

Spiegelvision: Der größte Feind Falcos war er selbst

(von Markus Spiegel)

Fragt man junge Musiker über ihre Meinung zum einzigen österreichischen Popkünstler, der auch Nummer 1 in den amerikanischen Billboard-Charts wurde, so reicht die Spannweite von „arroganter Chauvinist“ bis „cooler Typ“. Und beides stimmt!

Auch Analogien zum Figurenpaar „Jekyll & Hyde“ sind zutreffend, weil sie mit dem Leben des Hans Hölzels eng verbunden sind. Kokain, die Modedroge der 80er-Jahre, war eigentlich nicht sein Problem, sondern Jack Daniels & Freunde. Einerseits war Hans im nüchternen Zustand ein äußerst liebenswürdiger, charmanter und sensibler Mensch, andrerseits ein schier unausstehlicher, aggressiver und wutbesessener Typ. Dem Sturztrinker war die Flasche oft der einzige Freund.

Nun, wie kam das?

Die Karriere eines Musikers verläuft im Normalfall progredient. Falco hat bereits zum Beginn seiner Karriere den Siebentausender-Gipfel bestiegen. Zum Olymp kam er aber nicht, da hätte er zwingend den amerikanischen Markt bedienen und folglich seinen Wohnsitz verlegen müssen.

Da hatte er mit Oskar Werner, seinem Idol, etwas gemeinsam: Beide verachteten den amerikanischen Lifestyle. Die Amerikaner konnten ihn und seinen „Schmäh“ nicht wirklich verstehen, er wiederum wollte die Amerikaner nicht verstehen.
Toleranz und Geduld waren nie seins.

Gigantisch hohe Lizenzvorschüsse schmeichelten natürlich seinem Selbstverständnis. Die damit verbindlichen Abgabedaten erzeugten allerdings schon seit Beginn seiner Karriere immensen Druck.

Noch dazu wollte er den Kommerz und das Feuilleton, wie einer seiner Vorbilder David Bowie, bedienen.
Mit den ersten zwei Alben „Einzelhaft“ und „Junge Römer“, die ihrer Zeit weit voraus waren, schaffte er diese „eingesprungene Sitzpirouette“ perfekt. Mit „Falco 3“ bediente er die Erwartungen seiner Fans.

Danach war vorerst Sendepause. Bei der Realitätsverweigerung half Jack Daniels.

Der größte Feind Falcos war er selbst, suizidäre Exzesse an der Tagesordnung. Sein kluger Manager Horst Bork, sein Bandleader Thomas Rabitsch und ich waren dagegen machtlos.

Der beste Beweis, welch phänomenaler Popkünstler Falco war, liefern dieser Tage junge nationale und internationale Bands der Red Bull Music Academy, die sein Werk für sich adaptieren. Anzukündigen sind erstaunliche Überraschungen, über die sich der geniale Falco wohl am allermeisten gefreut hätte.

Eine Woche für Falco: "Junge Römer" live

  • Heute, Donnerstag, startet der öffentliche Teil der „Woche für Falco“ unter dem Motto „Junge Römer“. Den Auftakt macht eine Lesung in Kooperation mit dem KURIER: Mavie Hörbiger und Philipp Hauß lesen Songtexte von Falco. Um 22 Uhr startet dann im U4 das Musikprogramm: U.a. Modeselektor, Minisex und Patrick Pulsinger spielen im U4 zu Falcos Ehren.
  • Am Freitag gibt es in der „Fledermaus“ eine „Falco Gedenknacht“, in der Grelle Forelle sind u.a. Carl Craig, Peter Kruder und Mavi Phoenix zu erleben.
  • Am Samstag treten im Casino Baumgarten u.a. der Nino aus Wien und Ernst Molden auf, in der Fluc Wanne gibt’s Just Blaze.
  • Das Finale am Sonntag bestreitet Yung Hurn im WUK.
  • Karten und Info: redbull.com/rbma