Faith-No-More-Sänger Mike Patton beim „Rock In Vienna“-Festival – Bassist Billy Gould hält sich gerne im Hintergrund.

© /Florian Wieser

Interview
06/08/2015

Faith No More: Alte Freunde, laute Trucks

Faith No More über "Sol Invictus", ihr erstes Album seit 18 Jahren.

von Brigitte Schokarth

Ehrlich gesagt ging es mir bei unserem neuen Album in erster Linie um unsere Freundschaft. Die Musik war nur der zweite Grund."

Mike Patton, der Sänger von Faith No More, macht kein Geheimnis daraus, dass er nicht viel von Reunion-Alben hält. Immer schon war er der Meinung, dass die den Ruf, den sich eine Band erarbeitet hat, zerstören können.

Trotzdem ist soeben "Sol Invictus", das erste Album von Faith No More seit 18 Jahren, erschienen. Und damit braucht sich das amerikanische Quintett auch nicht zu verstecken. Wie schon in der Vergangenheit bieten die Kalifornier stilistisch ein breites Spektrum. Es gibt Pop-Rock, Metal- und Rap-Einflüsse, mysteriöse Piano-Balladen, hymnische Refrains und mit "From The Dead" sogar einen Akustik-Song, bei dem alle im Chor singen.

Ohne den Bassisten, Songwriter und Band-internen Produzenten Billy Gould aber hätte es "Sol Invictus" nicht gegeben. "Ich war dabei sicher die treibende Kraft", erklärt der 52-Jährige im KURIER-Interview. "Meine Meinung war immer, dass es wenig Sinn macht, wieder zusammen zu sein, wenn es dafür keinen kreativen Grund gibt. Wir waren schon einige Jahre wieder gemeinsam auf Tour gewesen. Aber dass wir dabei nur alte Sachen spielen konnten, hat mich persönlich verrückt gemacht."

Frustrierend

So arbeitete Gould schon seit längerem mit Drummer Mike Bordin und Gitarrist Jon Hudson an neuen Songs. Aber es brauchte eine Weile, bis auch Tastenmann Roddy Bottum und Mike Patton wieder Lust hatten, eine neue Platte zu machen: "Mike gab sich da lange verschlossen. Wann immer ich ihm etwas vorspielte, sagte er nur: ‚Das klingt großartig!‘ Aber dabei beließ er es dann auch. Für mich persönlich war das frustrierend."

Erst der Song "Matador" stimmte den Sänger um, und Faith No More begannen 2012, an "Sol Invictus" zu arbeiten. "Wir haben es niemanden gesagt, es war keine Plattenfirma und kein Produzent involviert. Nicht einmal meine Frau wusste davon. Wir nahmen in unserem Proberaum auf – da konnte man auf manchen Songs die Trucks hören, die draußen auf der Straße vorbeidonnerten. Aber all diese Probleme nur unter uns zu lösen, hat uns wieder zusammengeschweißt. Es hat bewirkt, dass wir wieder als Gruppe denken und agieren."

Diese Fähigkeit war Faith No More 1998 verloren gegangen, nachdem sie mit dem Album "Angel Dust" und dem Commodores-Cover "Easy" zu Weltruhm aufgestiegen waren.

Es reicht

"Damals hatten wir nur mehr gemeinsam, dass wir sagten: ‚Es reicht!‘", erzählt Gould. "Aber jeder hatte einen anderen Grund dafür, dass wir uns trennten. Ich persönlich war einfach müde. Weil andere Mitglieder schon davor das Interesse an der Band verloren hatten, habe ich extra hart gearbeitet, um das auszugleichen. Danach wollte ich fünf Jahre lang nur schlafen."

Die Reunion kam in Schwung, als sich einige Mitglieder 2008 auf der Hochzeit von Roddy Bottum trafen. "Es war ein herzerwärmendes Wiedersehen", erzählte Patton darüber dem Rolling Stone. "Wir fanden, dass wir uns noch immer mögen."

Vielleicht haben Faith No More deshalb nicht ein einziges Mal versucht, die alten Differenzen auszuräumen, seit sie 2009 wieder gemeinsam auf Tour gingen. "Ich habe ein, zwei Mal daran gedacht. Aber dann habe ich es doch gelassen und bin jetzt sehr glücklich darüber. Denn manchmal muss man auch akzeptieren, wie Leute sind, wie die Situation ist. Ich wusste, dass alle wieder voll an Bord waren und zusammenarbeiten wollten. Da erschien es mir fast als respektlos, die alten Probleme anzusprechen. Manchmal ist es am besten, loszulassen."

Einer, der das nicht konnte, war der Original-Gitarrist Jim Martin. "Wir haben mit ihm gesprochen", sagt Gould. "Es sagte zwar zu, wollte dann aber gleich auf Verträge eingehen. Das hat uns gezeigt, dass er mit einer ganz anderen Mentalität als wir zurückkommen würde. Das hat sich einfach nicht richtig angefühlt."

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