© Andi Gnigler

Kultur
10/28/2021

Experimentelle Elektronik-Sounds gespielt mit Bass und Gitarre

Das Duo Schtum veröffentlicht sein zweites Album und feiert das mit einer Performance in der Wotrubakirche in Wien

von Brigitte Schokarth

„Live-Auftritte sind für uns ein bisschen wie Kirchenorgel spielen: Wir haben mit den Füßen genau so viel zu tun wie mit den Händen.“

Das ist aber auch schon die einzige Ähnlichkeit, die die Werke des Experimental-Duos Schtum mit dem Musizieren an den Pfeifen in Sakralbauten gemeinsam haben. Jazz-Bassist und Elektronikmusiker Manu Mayr und der Sänger, Gitarrist und Komponist Robert Pockfuß haben sich darauf spezialisiert, die elektroakustische Welt aus Feedback-Schleifen und Sub-Bass-Interferenzen zu erforschen. Und das erfordert den intensiven Einsatz der Füße: Sie speisen nämlich die Signale ihrer Instrumente gleichzeitig und gleichberechtigt in aus der Rockmusik bekannte Effektgeräte ein. Dadurch entsteht ein Sound zwischen Rhythmik, Industrial-Noise und schwebenden Einzel-Tönen. Es klingt wie digital erarbeitete Elektronik, aber jeder Ton ist gespielt.

Das war vor allem Mayr, der auch mit 5K HD und Kompost 3 spielt, wichtig: „Ich bin als Instrumentalist ausgebildet worden“, erzählt er im KURIER-Interview. „Dabei habe ich das Gefühl von direkter Kontrolle der Töne. Und ich finde es schön, wenn das beim Live-Spielen erhalten bleibt, und nichts von einer Festplatte abgespielt wird.“

Kennengelernt haben sich Mayr und Pockfuß, dessen musikalischer Horizont von zeitgenössischer Musik bis zur Neuen Volksmusik reicht, in der Wiener Musikszene.

Behutsam

„Von Anfang an war klar, dass es bei einer Zusammenarbeit nicht nur so sein kann, dass Manu Bass und ich Gitarre spielen“, erklärt Pockfuß. „Wir wollten unsere Instrumente zu einem neuen Sound verschmelzen lassen. Das war eine lange Entwicklung, bei der wir immer wieder neue Kombinationen von Effektgeräten ausprobiert haben. Dabei muss man behutsam aufeinander eingehen. Denn dadurch, dass beide Signale gleichzeitig durch dieselben selben Effektgerät laufen, beeinflusst der Ton des einen Musikers sehr stark den des anderen, und jedes Nebengeräusch wird aufgeblasen.“

Mit diesem Sound waren Schtum nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums vor drei Jahren bei renommierten Elektronik-Festivals in Berlin, Rio de Janeiro oder St. Petersburg eingeladen. Heute, Freitag, erscheint mit „Sequencing Detachments“ ihr zweites Album.

„Da wir mit dem Debüt schon viel Erfahrung mit unserem Set-up gemacht hatten und wussten, welche Sounds wir wie bekommen, waren wir bei ,Sequencing Detachments’ offen dafür, wie man damit einen Liedaufbau macht“, sagt Pockfuß.

Begleitet wird das Album von spannenden Videos, bei denen RSO-Chefin Marin Alsop den Track „Immerse“ dirigiert und man zu den getragenen Sounds von „Notion“ in Zeitlupe einen Kressesamen aufkeimen sieht.

Für die Präsentation von „Sequencing Detachments“ heute ab 19.00 Uhr in der Wotruba-Kirche arbeiten Schtum mit Peter Kutin zusammen. Der zeigt seine „Rotor Kinetik Live Performance“, bei der ein rotierender Körper hologrammartige Bilder entstehen lässt. Außerdem ist eine audiovisuelle Installation von Gischt zu sehen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.