Was Forscher nach Atomtests beim Bikini-Atoll fanden, gibt Hoffnung
Der Befund ist ernüchternd. „Wir Menschen haben das Leben im Meer radikal verändert“ – und das nicht zum Guten und oft unumkehrbar. Fischbestände gehen zurück, Arten sterben aus, Korallenriffe zerbröseln. Der norwegische Meeresbiologe Even Moland nennt die Dinge in seinem Buch „Kann das Meer die Erde retten?“ beim Namen.
Die Menschheit beutet die Ozeane aus. Doch sie braucht intakte Ökosysteme, um den Klimawandel zu bewältigen und um sich ernähren zu können. Immerhin bedeckt das Meer zwei Drittel der Oberfläche des Planeten. Es ist entscheidend für das ökologische Gleichgewicht auf der Erde. Aber wie kann die vielfältige Unterwasserwelt erhalten oder wiederhergestellt werden?
Wissen gesammelt
Eine wichtige Voraussetzung liegt auf dem Tisch: „Das Wissen, das wir in all den Jahren gesammelt haben, reicht mittlerweile aus, um die wichtigsten physikalischen und biologischen Prozesse im Meer zu verstehen“, schreibt Moland. Genau dieses Wissen will der Forscher mit seinem Buch weitergeben. Er erklärt die großen Zusammenhänge der Ozeane und die Strategien der Lebewesen – klar und anschaulich. Er spickt die Theorie mit persönlichen Erlebnissen beim Tauchen, mit Geschichten aus dem Leben eines Meeresbiologen.
Im Buch stößt man schnell auf ein Hauptproblem: Überfischung trotz aller Erkenntnisse. Menschen ändern ihr Verhalten, wenn überhaupt, sehr langsam. Das führt bis zum Verschwinden mancher Fischbestände und damit zum Zusammenbruch der Fischerei. Wie in den 1990er-Jahren, als der Kabeljaubestand vor Kanada kollabierte. Oder Ende der 1960er-Jahre, als es im gesamten Europäischen Nordmeer „keine nennenswerten Heringsbestände mehr“ gab. Erst nach 20 Jahren Fangstopp erholten sie sich wieder.
Wider besseres Wissen
Trotzdem fällt es vielen laut Moland schwer, die Ursachen anzuerkennen und die Schätze des Meeres nachhaltiger zu verwenden. Warum? Es herrscht oft die Angst, andere könnten die Ressourcen nutzen, wenn man es selbst nicht tut.
Even Moland: „Kann das Meer die Erde retten?“, Haupt Verlag, 224 Seiten, 31,95 Euro
Die Fischerei-Industrie verwendet etwa Grundschleppnetze. Sie zerstören den Meeresboden und damit viel Leben. Moland vergleicht sie mit Dampfwalzen, die über den Meeresgrund fahren.
Der Meeresexperte entlässt die Leser und Leserinnen trotz allem nicht verzweifelt ob der Trägheit und Profitgier der Menschen. Er macht Hoffnung: Das Meer kann sich erholen, wenn man es nur lässt.
Erholung
Ausgangspunkt von Molands Schilderung ist ausgerechnet eine große Katastrophe in einem kleinen Ökosystem. Kernwaffentests der 1940er- und 1950er-Jahre zerstörten die Unterwasserwelt am Bikini-Atoll. Korallen zerfielen zu Staub, kein Fisch überlebte.
Und heute – nachdem es die Menschen bis vor Kurzem nicht besuchen konnten? Die Korallen sind gewachsen, Papageien- und Doktorfische sind zurück, Raubfische jagen wieder. „Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass wir nicht ähnliche Resultate in anderen Meeresgebieten erreichen können“, schreibt Moland.
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