Meeresschutzgebiete: Hochseeschutzabkommen tritt in Kraft

Die Schwanzflosse eines Pottwals ragt aus dem Meer, als er in der Nähe von Rausu ins Meer taucht.
Der Vertrag soll bis 2030 30 Prozent der Weltmeere unter Schutz stellen und Bedrohungen wie Überfischung bekämpfen.

Zusammenfassung

  • Das UN-Abkommen zum Schutz der Hochsee ist nach 15 Jahren Verhandlung in Kraft getreten und soll bis 2030 30 Prozent der Weltmeere schützen.
  • Das Abkommen ermöglicht ein globales Netzwerk von Meeresschutzgebieten und verpflichtet zu Umweltverträglichkeitsprüfungen für Aktivitäten auf hoher See.
  • Mehr als 80 Staaten haben das Abkommen ratifiziert, doch der Tiefseebergbau bleibt weiterhin außerhalb seines Geltungsbereichs.

Nach 15-jährigen Verhandlungen ist am Samstag das UNO-Abkommen zum Schutz der Artenvielfalt auf hoher See in Kraft getreten. Der Vertrag, auch als "Übereinkommen über die biologische Vielfalt außerhalb nationaler Zuständigkeiten" (BBNJ) bekannt, soll bis 2030 rund 30 Prozent der Weltmeere unter Schutz stellen und Überfischung bekämpfen. 

Bisher sind nur acht Prozent der Ozeane geschützt. China meldete überraschend Interesse an, das Sekretariat für das Abkommen zu beherbergen.

Globales Netzwerk von Meeresschutzgebieten 

"Zum ersten Mal werden zwei Drittel der Ozeane und die Hälfte der Erdoberfläche eine umfassende rechtliche Regelung erhalten", sagte Adam McCarthy, ein hochrangiger Beamter des australischen Außenministeriums und Co-Vorsitzender des Vorbereitungsausschusses des Vertrags, vor Journalisten.

Das Abkommen ermöglicht die Schaffung eines globalen Netzwerks von Meeresschutzgebieten in den bisher weitgehend unregulierten internationalen Gewässern. Zudem müssen die Länder Umweltverträglichkeitsprüfungen für Aktivitäten vornehmen, die sich auf die Meeresökologie auswirken.

80 Staaten haben ratifiziert

Mit dem Abkommen werden darüber hinaus Mechanismen geschaffen, die es den Nationen ermöglichen, die Gewinne der "blauen Wirtschaft" zu teilen, darunter auch marine genetische Ressourcen, die in Branchen wie der Biotechnologie genutzt werden. Wenig Einfluss wird das Abkommen jedoch auf eine der nach Ansicht von Umweltschützern größten Bedrohungen haben: den Tiefseebergbau. "Die Frage des Bergbaus am Meeresboden unterliegt der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) und fällt nicht in den Zuständigkeitsbereich des BBNJ-Abkommens", erklärte McCarthy.

Das UNO-Abkommen hatte am 19. September des vergangenen Jahres die Schwelle von 60 Ratifizierungen erreicht. Damit trat es 120 Tage später in Kraft. Inzwischen haben mehr als 80 Staaten das Abkommen ratifiziert, darunter China, Brasilien und Japan. Die USA hatten den Vertrag unter der vorherigen US-Regierung unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert.

China bewirbt sich als Sitz für Sekretariat

Kurz vor Inkrafttreten hat unterdessen China überraschend sein Interesse angemeldet, das Sekretariat für das Abkommen zu beherbergen. China habe entschieden, eine Kandidatur für die Hafenstadt Xiamen im Südosten der Volksrepublik als Sekretariatssitz einzureichen, erläuterte Chinas Ständige Vertretung bei den Vereinten Nationen am Freitag in einem Brief an UNO-Generalsekretär António Guterres, den die Nachrichtenagentur AFP einsehen konnte. Damit unterstreiche Peking seinen Willen, in der internationalen Umweltpolitik eine wichtigere Rolle zu spielen. Vor dem Inkrafttreten des Schutzabkommens am Samstag hatten bisher nur Belgien und Chile ihr Interesse angemeldet, Sitz des Sekretariats zu werden. Die Entscheidung soll dieses Jahr fallen.

Li Shuo, Umweltexperte bei der in Washington ansässigen Nichtregierungsorganisation Asia Society, sprach von einem "bemerkenswerten Schritt" Chinas, nur einige Tage nachdem US-Präsident Donald Trump den Ausstieg seines Landes aus der UNO-Klimarahmenkonvention und Dutzenden anderen internationalen Abkommen und Organisationen verfügt hatte.

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