Eva Rossmanns fröhlicher Patriotismus

Eva Rossmann
Foto: KURIER/Franz Gruber Eva Rossmann

Keine Kochrezepte im neuen Roman, weil es um die Angst und den Hass in Europa geht.

Der Chef der "Patriotisch Sozialen", einer 30-Prozent-Partei , ist gekreuzigt worden. Ein großer Katholik und Hetzer. Er hängt zwischen Weinreben in Wien ....

... aber die volle Konzentration auf diesen Mann fällt anfangs schwer: Denn Eva Rossmann ist so anders im heute erschienenen Buch "Patrioten". Etwas komplizierter zu lesen. (Hurra). Und viel schneller. Nicht gar so schnell wie Bernhard Aichner in seiner Thrillerserie um die tödliche Bestatterin Blum ... wenn seine "Sätze" lauten: "Blum. Blum. Blum."

Aber Rossmann kommt ihm manchmal nahe – siehe Seite 20: "Jennifer. Seine Tochter. Sein jetziger Job. Mehr als ein Job. Er hat es für sie getan." Zitat Ende.

Keine Mira Valensky diesmal, keine Kochrezepte. Diesmal, damit man nicht ganz verzweifelt, eine zarte Liebesgeschichte zwischen Menschen über 80.

Vielstimmig, vielschichtig – Rossmanns bester Roman. (Das Stakkato-Erzählen gewöhnen wir ihr ab.)

KURIER: Wieso fehlt Ihre Mira Valensky in "Patrioten"?

Eva Rossmann: Bei wichtigen Themen wir Angst, Verhetzung, Nationalismus und Sehnsucht nach Gemeinschaft schien es mir besser, sie aus dem Blickwinkel mehrerer, sehr unterschiedlicher Personen zu erzählen. Das macht die Gefahr der Besserwisserei auch geringer.

Ganz schön viele Themen, die ineinander übergehen.

Ich wollte auch noch davon erzählen, wie schnell wir selbst anfangen, allen möglichen Unsinn zu glauben. Zum Beispiel die beunruhigende große Terrorgefahr durch Islamisten, und dass sie auch noch durch die Kriegsflüchtlinge gestiegen ist: Wahr ist, dass es in den 1970ern deutlich mehr Terroranschläge in Europa gegeben hat – von rechts und links übrigens.

Die Spaltung unserer Gesellschaft ...

... ist eine Konstruktion. Nationalisten haben jedes Interesse, dass die Leute meinen, es gibt nur sie oder "die anderen" – die Volksfeinde. In Wirklichkeit gibt’s viele sehr unterschiedliche Menschen in Österreich. Lieber Vielfalt als Einfalt. Das ist das Motto, das man diesen Typen laut entgegensetzen sollte.

Und wenn es um Spaltung geht, ist die EU nicht weit.

Klarerweise hat jemand, der spalten will, kein Interesse an einer Gemeinschaft. In Wirklichkeit ist es die beste Zukunftsperspektive, die wir haben. Und gerade wenn von Ängsten gesprochen wird:Was gibt es Besseres, als sich zusammen zu schließen? Natürlich läuft nicht alles so gut, aber die Union ist sehr jung. Nicht DIE DORT sind die EU, sondern wir.

Würden Sie sich als Patriotin bezeichnen?

Keine, die sich einbildet, die Heimat gehört mir, und ich muss sie vor allen anderen zu schützen. Das ist ein nationalistisches, meist auch völkisches und hin und wieder religiös verbrämtes Konstrukt. Aber es kann auch so etwas wie einen fröhlichen Patriotismus geben: Ich habe meine Heimat im Weinviertel gefunden. Ich habe sie mir ausgesucht, und das ist das Schöne: Ich möchte, dass jede und jeder seine Heimat frei wählen kann. Dann ist Heimat nichts Ausschließendes.

Sie sind also WAS?

Ich fühle mich als Weinviertlerin, als Österreicherin, aber mindestens gleichstark auch als Europäerin.


Eva Rossmann:
„Patrioten“
Folio Verlag.
360 Seiten.
22 Euro.

KURIER-Wertung: ****

(kurier) Erstellt am
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