Kultur
07.11.2017

Österreichischer Buchpreis für Eva Menasse

Für den Erzählband "Tiere für Fortgeschrittene" gewann die 47-jährige den Österreichischen Buchpreis.

Vergangenes Jahr, als zum ersten Mal der Österreichische Buchpreis vergeben wurde, war es nicht besonders überraschend, dass Friederike Mayröcker (mit „fleurs“) gewann. Das war eine Würdigung des Lebenswerkes und eigentlich unfair gegenüber den anderen Nominierten. Hätte ja einen Spezialpreis für die 92-jährige Lyrikerin geben können.

Auch heuer hätte es wenig überraschend werden können. Denn: Wenn Robert Menasse mit "Die Hauptstadt"den Deutschen Buchpreis bekommen hat, no, dann wird er doch wohl auch den Österreichischen „packen“.

Hat er aber nicht.

Seine in Berlin lebende Halbschwester Eva Menasse gewann mit dem Erzählband „Tiere für Fortgeschrittene“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch). Acht auffällige Nachrichten über Tiere hat die 47-Jährige jeweils an den Anfang gestellt, danach folgt eine Erzählung. Schlange, Schaf, Ente, Igel, Opossum ... Wo ist das Tier, wenn es menschelt?

Raupen, die ihr eigenes Grab schaufeln, fehlen bloß zwei Beine, dann sind sie: wir.

Die restlichen, wahrlich nicht uninteressanten Konkurrenten waren:

Brigitta Falkner mit "Strategien der Wirtsfindung"(Matthes & Seitz):

Eigenartig. Einzigartig. Poesie setzt sich in den Naturwissenschaften fest. Eine Symbiose aus Text und Bild. Viel Hässliches kommt gekrabbelt – und so schön ist das. Aus den trommelschlegelförmigen Stummelflügel einer Stubenfliege macht Falkner ein Gedicht.

Paulus Hochgatterer mit "Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war"(Deuticke):

Eine Kriegserzählung, wie er sie – ansatzweise – von der Mutter erzählt bekommen hat. Voll konzentriert auf den mächtigen Satz, den man gern öfter hören würde: "Schämen Sie sich nicht?"

Olga Flor mit "Klartraum" (Verlag Jung und Jung):

Es lebe die Liebe, auch wenn sie – vorübergehend – tot ist. Eine alltägliche Geschichte von zwei Menschen, die anderwärtig verheiratet sind. Aber zueinander so viel Liebe empfinden, dass sie "übergehen" müssen. Zeitweise. Aus der Sicht der Frau geschrieben, wird der Roman zur Vivisektion. Alte Liebesgeschichte, ganz neu.