© Christina Horn

Kultur
04/18/2019

ESC-Starterin Paenda: Ausgebuht und unabhängig

Im KURIER-Interview spricht Gabriala "Paenda" Horn über Selbstzweifel und sexistische Prüfsteine.

In einem Monat tritt Paenda mit dem Song „Limits“ in Tel Aviv für Österreich beim Eurovision Song Contest an. Im KURIER-Interview erzählt sie, mit welchen Vorurteilen sie auf dem Weg dahin zu kämpfen hatte und wie all diese Ereignisse zu den Songs ihres am 26. April erscheinenden zweiten Albums „Evolution II“ führten.

KURIER: Sie produzieren Ihre Songs selbst und wollen so in Tel Aviv zeigen, dass auch Frauen gute Produzentinnen sind. Warum ist Ihnen das wichtig?

Paenda: Weil es ganz, ganz wenige Produzentinnen gibt. Ich selbst habe mir das angeeignet, weil ich unabhängig sein wollte und es als peinlich empfand, wenn man drei Stunden neben jemandem sitzt, der an den Beats herum schraubt, und dann sagt man: „Das gefällt mir nicht!“ Ich höre oft Sachen wie: „Du brauchst jemand, der dir sagt, wie das geht!“ Oder dass ich einen Machtkampf führe, weil ich bei meinem eigenen Song sage, wie ich es haben will und anderen Input nicht akzeptiere.

Wer sagt so etwas?

Leute, mit denen ich gearbeitet habe. Im Zuge des ESC hatte ich mit einem Produzenten zu tun, der meinen Song überarbeitet hat, was mir aber nicht gefallen hat. Der sagte: „Das kannst du nicht so schnell entscheiden. Du musst dir meine Version 100-mal anhören, dann wirst du schon draufkommen, dass sie besser ist als deine!“ Wohlgemerkt, das waren nicht die Leute vom ORF. Diese Zusammenarbeit funktioniert einwandfrei, da wird viel Wert auf respektvollen Umgang gelegt. Vor allem künstlerisch redet mir da keiner etwas drein.

Wie reagieren Sie auf derart sexistische Sprüche?

Das neue Album befasst sich genau aus diesem Grund sehr viel mit Selbsterkenntnis. Manche Songs, die man als Liebeslied deuten könnte, beziehen sich auf professionelle Beziehungen. Zum Beispiel „Love Myself“, wo ich sage, du siehst in mir etwas, was ich nicht bin. Ich bin aber mit der Zeit draufgekommen, dass es mir nicht hilft, ständig zu sagen: „Du bist respektlos, du nimmst mich nicht ernst.“ Deshalb habe ich angefangen, meine männlichen Kollegen zu beobachten. Denn denen passiert es ja auch, dass man ihnen sagt, das müssen wir anders machen.

Und die reagieren anders als Sie?

Der Unterschied ist, dass sie ganz emotionsbefreit sagen, gut, aber wir machen es trotzdem so, wie ich es will. Da weiß das Gegenüber: Er weiß, was er will, und es gibt keinen Konfliktpunkt. Ich bin draufgekommen, dass ich oft so emotional reagiert habe, weil ich mich selbst angezweifelt habe. Weil ich mir immer wieder gedacht habe: „Du hast keine Ahnung von Vocal-Sounds! Was weißt du schon von Bass-Drum-Klängen?“ Wenn ich mich selbst so infrage stelle, ist klar, dass es auch andere tun. In dem Moment, wo ich mir selbst gesagt habe, ich weiß, was ich kann – und auch was ich nicht kann – wurde das besser.

Sie haben vor Ihrem Jazz- und Pop-Studium am Musikkonservatorium in Wien Mediendesign und Psychologie studiert, obwohl Sie schon als Teenager in Bands gesungen haben. Lag das damals schon daran, dass Sie nicht ernst genommen wurden?

Ich hatte damals Angst, dass mir eine Profi-Karriere den Spaß am Musikmachen nimmt. Ich wusste, dass das Druck-behaftet ist. Und ich hatte tatsächlich bis dahin auch schon viele Erlebnisse, die mich zweifeln ließen. Das waren nie meine Eltern, die haben mich immer gefördert und wussten lange vor mir, dass Musik mein Ding ist. Aber die Steiermark, wo ich aufwuchs, ist eine Metal-Hochburg. Da bin ich mal ausgebuht wurden, weil ich Pop gesungen und nicht ins Mikrofon gebrüllt habe. Es waren viele derartige Vorfälle, die sich summiert haben.

Sie haben sich schließlich in „Limits“ manifestiert ...

Genau. Das ist eine Kombination aus all den Emotionen und Tiefs, die ich erlebt habe – zusammen mit der Phase, als es mir schlecht gegangen ist, weil ich ein Workaholic bin und ausgebrannt war. Ich kann nie sofort ein Lied über etwas schreiben, das mich bewegt. Ich brauche dafür immer ein bisschen Abstand. Aber da kam das alles auf einmal raus, und das Lied war in ein paar Stunden fertig. Ich musste dann auch aufhören, daran zu arbeiten, weil es so emotional war.

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