Kultur
28.04.2018

Es kann nicht genug über Friedrich Zawrel zu lesen geben

Luis Stabauer (Bild) erinnert im Roman "Die Weißen" an das Opfer des NS-Arztes Heinrich Gross.

Da ist nichts aufgemascherlt. Das ist, wie es war, und man kann sich gut das „Negerdörfl“ vorstellen, diese Ottakringer Barackensiedlung für die ganz Armen – deshalb der  Wienerische Name: lauter Negeranten wohnten dort, Menschen ohne Geld. Der Widerstand gegen Dollfuß und  Hitler war dort größer. „Die Weißen“ konnten sich notfalls  verstecken.

Damit meint  Schriftsteller Luis Stabauer (Bild oben) eine Widerstandsgruppe, der sich ein Waisenkind anschließt – der 12-jährige Ernst, dessen Eltern Sozialisten waren und dank Heimwehr tot sind. Stabauer lässt den Roman in die Lebensgeschichte von Friedrich Zawrel (2015) übergehen. Der KURIER hat sie 1978 bekannt gemacht. Wie der Naziarzt Heinrich Gross  nach dem Krieg ein angesehener Gerichtsgutachter werden konnte und Zawrel ein zweites Mal  „erledigen“ wollte, ist so unglaublich, ist derart hässlich, dass es nicht vergessen werden darf.
Aber kürzer könnte man darüber schreiben. Dichter. Weil es dann noch mehr schmerzt.


Luis Stabauer:
„Die Weißen“
Hollitzer Verlag.
464 Seiten.
25 Euro.

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern