Kultur
03.02.2012

Erwin Steinhauer als der Zauberkönig

Erwin Steinhauer hat in der Josefstadt eine künstlerische Heimat gefunden. Ab Donnerstag steht er als Zauberkönig in den "Geschichten aus dem Wiener Wald" auf der Bühne.

Der Satz, der dem Stück voransteht, ,Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit‘, der ist unübertrefflich", sagt Erwin Steinhauer. "Damit spricht mir der Horváth aus meiner österreichisch Seele." Ab heute, Donnerstag, steht der Schauspieler im Theater in der Josefstadt in dessen berühmtesten Werk, den "Geschichten aus dem Wiener Wald", auf der Bühne.
Als Zauberkönig.

Steinhauer hat sich emporgearbeitet; 1994 war er noch der Fleischhauer Oskar und Herbert Föttinger das Schlurferl Alfred. Föttinger, in der Josefstadt nun Hausherr, inszeniert diesmal.
Allein im Achten steht der Regisseur mit seiner Arbeit nicht da: Das Burgtheater hat die "Geschichten" ebenfalls auf dem Spielplan; das Volkstheater zeigte sie in der Saison 2007/’08. Weiß Steinhauer, was an dem Stück so fasziniert?
Ja und Nein.

Schreiendes Publikum

Denn: "Es war nicht immer so. Nach dem Krieg gab es Aufführungen, in denen das Publikum schrie, das gehöre verboten. Da hat man sich zu sehr wiedererkannt. In den 60er-Jahren, als ,unser lieber‘ Moser den Zauberkönig spielte, war`s relativ harmlos, da hat man dem Stück verziehen. So wurde es Inventar der österreichischen Bühnen. Für mich ist es ein Volksstück, ein ganz bösartiges. Horváth zeigt ein Bestiarium, wie ich es selten sonst wo gesehen habe."

Nun, anno 2012, wolle man was anderes ausprobieren, als das, was man bisher gesehen hat. Etwa acht Meter hohe Stangen, von Rolf Langenfass auf die Bühne gestellt, die je nach Beleuchtung Bäume in der Wachau, Säulen einer Bar oder abstrakte Wege in die Dunkelheit sein werden.

Berühmte Vorgänger

Auch den Zauberkönig, "der seine Tochter Marianne an den nächststehenden Kleingewerbetreibenden verkauft", will Steinhauer anders darstellen als seine Vorgänger – darunter immerhin der Moser, der Qualtinger, Hans Thimig, Rudolf Vogel oder auch Otto Schenk.

Alles verehrungswürdige Mimen, meint Steinhauer. Mit anderer Aufgabenstellung. Er will "keine Sekunde damit liebäugeln, dass man dem Zauberkönig sympathische Seiten abgewinnt". Will die Lüge vom goldenen Wienerherz zerschlagen. Will die Bösartigkeit und den Zynismus der Horváth’schen Figur bedienen: "Wenn man diesen Atem spürt, dann spiel’ ich es richtig."

Kein ORF mehr

Steinhauer und die neue ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner waren einmal ein Paar. Um Nepotismus-Vorwürfen zuvorzukommen, soll der Schauspieler angekündigt haben, er wolle sich vom Küniglberg zurückziehen.
Stimmt das?

"Ich wurde zurückgezogen. Nach 2008 vom Powerduo Lorenz/Mis! Und jetzt bleiben wir dabei", sagt Steinhauer. "Der ORF braucht mich nicht. Ich nicht den ORF! Ich habe mit Mag. Zechner einen wunderbaren Sohn, beruflich haben wir nichts miteinander zu tun. Hin und wieder kommen deutsche Angebote, und wenn die Drehbücher interessant sind, bin ich gerne dabei."

Zur Produktion: Bitterböses Volksstück

Die Geschichte: Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" wurde 1931 uraufgeführt und mehrfach verfilmt. Inhalt: Die Tochter des Puppenrestaurators "Zauberkönig" läuft vor der Hochzeit mit dem bieder-brutalen Fleischhauer Oskar davon und landet in den Armen des Hallodri Alfred. Sie bekommt ein uneheliches Kind (das die Großmutter erfrieren lässt), muss sich im Bordell verdingen. Und landet schließlich doch mit Oskar vorm Altar.

Die Inszenierung: An der Josefstadt steht Regisseur Herbert Föttinger ein hochkarätiges Ensemble zur Verfügung. Neben Steinhauer als Zauberkönig spielen u. a.: Florian Teichtmeister (Alfred), Thomas Mraz (Oskar) Erni Mangold (Großmutter) und Sandra Cervik (Valerie). Föttinger selbst gibt den Conférencier im Bordell. Premiere ist heute.

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