Ein Experte für das hohe Flüstern und  das tiefe Grummeln:  Van Morrison bei seinem Wien-Auftritt

© APA/GEORG HOCHMUTH

Erstaunlich, wie ein Grantscherben gute Laune machen kann ...
06/09/2015

Erstaunlich, wie ein Grantscherben gute Laune machen kann ...

Kritik: Van Morrison hatte in der Wiener Stadthalle zwar "It's all over now Baby Blue" nicht im Gepäck, aber erfreute mit vielen Hits querfeldein.

von Werner Rosenberger

Rund 5000 kamen, um ihm zuzuhören, der seit einem halben Jahrhundert keltischen Mystizismus und Poesie individuell mit Soul, Folk, R & B, Blues und Jazz kongenial verbindet. Ganz am Ende stellt George Ivan " Van" Morrison Montag in der Wiener Stadthalle die Band als die Band vor. Und die Vier-Mann-Band plus Dana Masters – ein stimmlicher Superbonus und weit mehr als nur Backvocals vor allem bei "Carrying the Torch" aus dem Album "Hymns to the Silence" (1991) – lässt es allein noch fünf Minuten ordentlich krachen: Beim rockig-polternden "Gloria" mit einer entfesselten Hammond-Orgel zum Kehraus ist der Obergriesgram unter den Song-Poeten schon verschwunden – und leider nicht in Spendierlaune: Keine Zugabe.

In den genau abgezirkelten 90 Minuten davor war "Van the Man" eigentlich wie immer: Cool und jazzig und soulful. Als wollte er sich lieber mit sich selber langweilen, kommt dem Sänger mit Hut und verbarrikadiert hinter seiner schwarzer Sonnenbrille nie ein Lächeln aus.

Wer den ewigen Grantler aus der nordirischen Metropole Belfast lachen hören will, muss sich schon sein aktuelles Album "Duets" anhören, u.a. mit Mark Knopfler, Joss Stone, Mick Hucknall, George Benson, Steve Winwood, mit der Soul- und Gospel-Röhre Mavis Staples und dem im letzten Jahr verstorbenen Bobby Womack. Das hat ihm hörbar Spaß gemacht. Da kichert er sogar mit Taj Mahal.

Gefühlsbäder

Auch live in Wien gibt’s keinen Grund zur Klage: Die exzellenten Musiker tragen den Eigenbrötler, der hin und wieder zum Saxofon oder zur Mundharmonika greift, untadelig durch den Abend. Für ihn gilt mehr als für andere der alte Lehrsatz des Blues: "Es ist der Sänger, nicht der Song." Und tatsächlich ist Morrison – knapp 70-jährig – stimmlich top, sprich markant, eindringlich und leidenschaftlich.

So fantasiert der knurrige Eigenartling, der sich selber als Dinosaurier aus einer untergegangenen Musikwelt sieht, seelenvoll-leidend Big Joe Williams’ Evergreen "Baby Please Don’t Go", eine Reminiszenz an die Beat-Ära, verteilt mit sparsamer Geste salopp solistische Einsätze und erzählt im Song "In The Afternoon" vom Liebemachen – und mehr noch von der Lust darauf: "Wanna Make Love To You."

Der Nostalgiker und Freund der vergrübelten Lyrik gönnt sich keine Atempause. Und der Rest ist fast schon ein Wunschkonzert, eine Premium Selection aus dem Back-Katalog:

Im Minutentakt wechseln Gefühle und Stimmungen bei Frühwerken wie "Wild Night" und dem munter swingenden "Moondance", zeitlosen Klassikern wie dem unverwüstlichen "Brown Eyed Girl" und "Days Like This", die prompt Wiedererkennungsapplaus provozieren und immer noch begeistern.

KURIER-Wertung:

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