© Privatsammlung Kinsky/Pressefoto

Ausstellung
03/02/2020

Erinnerung ans Café Palmhof, eine „Oase der Gemütlichkeit in Wien“

„Wir bitten zum Tanz. Der Wiener Cafetier Otto Pollak“ (bis 1. Juni) im Jüdischen Museum Wien in der Dorotheergasse

von Werner Rosenberger

Hans Moser und Franz Lehár waren da und schrieben ihre Namen ins Gästebuch. Die Fräulein-Wien-Wahl ging dort 1933 über die Bühne. Und Konzerte wurden live im Radio übertragen.

An der Adresse Mariahilfer Straße 135, wo sich heute ein Supermarkt befindet, war einst einer der „prominentesten Vergnügungsbetriebe von Wien“: das Café Palmhof – tagsüber ein Kaffeehaus, abends und nachts ein Konzert- und Tanzcafé für 350 Gäste – stillte nach dem Ersten Weltkrieg den Hunger der Wiener nach Unterhaltung.

Die Ausstellung „Wir bitten zum Tanz. Der Wiener Cafetier Otto Pollak“ (bis 1. Juni) im Jüdischen Museum Wien im Palais Eskeles in der Dorotheergasse 11 erzählt vom populären Wiener Treffpunkt, der „Oase der Gemütlichkeit in Wien“, wie ihn der Librettist, Schlagertexter und Schriftsteller Fritz Löhner- Beda nannte.

Vorstadtetablissement

„Wir wollten aufmerksam machen auf das, was einmal war und nicht mehr ist“, sagt Theresa Eckstein. So holt die von ihr und Janine Zettl kuratierte Schau zurück, was aus dem Gedächtnis der Stadt verschwunden ist. Gezeigt werden aus dem Nachlass des früheren Besitzers Objekte und Dokumente, die jahrzehntelang in Kisten verwahrt worden waren.

Die Brüder Otto und Karl Pollak hatten das Lokal 1919 übernommen. Sie ließen die Räume von Architekten immer wieder neu gestalten und engagierten Künstler, Musikkapellen und französische Jazzbands für Auftritte, die schließlich einmal pro Woche im Radio live übertragen wurden. Und Otto Pollak beklagte, wie seine Tochter Helga Kinsky erzählt, die altbekannte Misere aller Cafetiers: „Die Leute kommen auf einen Mokka und sitzen den ganzen Vormittag, und ich muss so teure Zeitungen kaufen, das amortisiert sich nie.“

Antisemitische Übergriffe und mehrere Anschläge auf das Café waren der Anfang vom Ende. Nur fünf Tage nach dem „Anschluss“ im März 1938 wurde das Palmhof „arisiert“, die Familie Pollak nach Theresienstadt und in andere Lager deportiert, Karl und viele andere Familienmitglieder wurden ermordet.

Otto Pollak war nach seiner Rückkehr 1948 im Nachkriegswien bis zu seinem Tod 1978 immer noch eine angesehene Persönlichkeit. Der Polizist auf der Straße salutierte vor ihm und der Billeteur in der Staatsoper begrüßte ihn.

Sein Café, in den 1950er-Jahren restituiert, wollte er nicht mehr weiterführen. „Ich glaube, mein Vater war ein gebrochener Mann“, so Helga Kinsky. „Er hatte nicht mehr den Elan, um wieder so etwas aufzubauen. Und die Zeit für Konzertcafés war auch vorbei.“

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