Kultur
17.06.2014

Erich Ohser: Hinter "Vater und Sohn"

Der Mann, der im Schatten seiner Bildergeschichten stand.

Die Kinder haben gelacht damals. Das geht jetzt nicht mehr so einfach. 80 Jahre nach den Bildergeschichten von "Vater und Sohn" (1934 – 1937) ist der Humor nicht mehr so unschuldig.

Heute sind die bewusst einfachen, textlosen Comics in den Volksschulen Grundlage für erste Aufsätze.

Was aber geblieben ist und zumindest von erwachsenen Kindern immer verstanden werden wird, ist die Botschaft:

Hier liebt ein Vater seinen Sohn, sie sind ein zärtliches, verspieltes Team gegen Dummheit, Fantasielosigkeit, Unmenschlichkeit. Sie halten zusammen, selbst wenn es "die da oben" – Lehrer, Parkwächter, Polizisten – auf sie abgesehen haben.

Mit Verspätung ist die erste Biografie über Erich Ohser erschienen, der sich – nach seiner Geburtsstadt – e.o. plauen genannt hat. Bisher war von seinem Leben und seiner Zerrissenheit zu wenig bekannt gewesen.

Schwerhörig

Ohser erzählte in Zeichnungen, das sah und las man in Zeitungen und Büchern seines Freundes Erich Kästner, die er illustrierte. Schon Anfang der 1930er-Jahre erzählte er von Hitler und Goebbels, indem er sie als machthungrige Idioten darstellte. Das machte ihn populär, und "Vater und Sohn" machten ihn berühmt.

Ein Kinder liebender, fröhlicher Mann war er, der seine Lebensangst versteckte. Zeitweise hatte der studierte Künstler Berufsverbot, und um arbeiten zu können, zeichnete er für Goebbels Zeitschrift "Das Reich", die der Propaganda einen intellektuellen Anstrich verpassen sollte. Ohser rechtfertigte sich, er zeichne ja gegen die Feinde Deutschlands, nicht für die Nationalsozialisten.

So redete er sich ein.

Privat schimpfte er. Er schimpfte laut, denn er hörte schlecht und schätzte seine Tonstärke falsch ein: Nur die Kapitulation sei Deutschlands Rettung, für das Nazigesindel gebe es zwar kaum noch genügend Munition, aber Stricke.

Er wurde denunziert, Goebbels selbst gab dem "Volksgerichtshof"-Präsidenten den Befehl zum Todesurteil. Erich Ohser erhängte sich 1944 vor dem Prozess in seiner Zelle. Er war 41. Sein Sohn war damals 13. Christian ist auch schon tot.

Auf ihrem Grabstein ist eine Zeichnung aus der 192. und letzten Geschichte eingraviert: Vater und Sohn halten einander an der Hand und verlassen die Welt.