Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek.

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Kultur
01/29/2020

Elfriede Jelinek über Sebastian Kurz als Gott: „Na bumm“

In ihrem Stück "Schwarzwasser", soeben im Rowohlt Verlag erschienen, arbeitet sich die Nobelpreisträgerin am Kanzler ab.

von Thomas Trenkler

In der Siedlungswasserwirtschaft gibt es neben dem Gelb- und dem Braunwasser das Schwarzwasser. Darunter versteht man „Abwasser ohne Grauwasser“. „Schwarzwasser“ nennt sich auch das neue Stück von Elfriede Jelinek; der Text erschien soeben beim Rowohlt Verlag – zusammen mit „Am Königsweg“. Es dreht sich darin sehr viel um das Wasser. Das Wasser, das man abschlägt. Über das die Flüchtlinge kommen. Aus dem wir hauptsächlich bestehen. Und das mancher, wie wir aus dem Ibiza-Video wissen, gerne verscherbeln würde.

Bei Jelinek gibt es genug Anspielungen auf H.C. Strache: "Dieses T-Shirt hätten Sie vorher aber wirklich waschen können, selbst wenn Sie nicht wußten, daß Sie damit ins Fernsehn kommen, oder haben schon andere gute Menschen es für Sie zehnmal vorgewaschen?" Oder: "Wir weisen noch einmal darauf hin, falls hier jemand mithört, daß alles im Rahmen der Gesetze stattzufinden hat, außer die Gesetze sind gegen uns gerichtet. Dann nicht." Oder: "In dieser Zeitung wird es stehen, diese Zeitung wird es wahr machen, danach wird was andres in ihr stehen, geborgen von uns. Wir werden sie anleiten und dann anleinen, wir werden sie an die Leine nehmen." Oder: "Einer beherrscht die Gebärdensprache zack zack zack."

"Mann schreddert Klopapier"

Dennoch ist „Schwarzwasser“ keine Abrechnung nur mit Strache und dessen Allmachtsphantasien. Für viel gefährlicher dürfte die Autorin den Kanzler halten. Schon im ersten der drei Teile – „Vorspiel im Himmel. Ein Mann schreddert Klopapier“ – geht es um ihn.

Donald Trump wurde von Jelinek als blinder König gesehen; den Kanzler aber stilisiert sie zum Gott. Sie orientiert sich dabei an „Die Bakchen“, mit denen Martin Kušej seine Burgtheater-Direktion eröffnen ließ (bei Euripides kommt ein Gott zurück). Und nun, am 6. Februar, folgt im Akademietheater die Uraufführung des Jelinek-Stücks. Es hebt an mit: „Wer leugnet jetzt noch seine Göttlichkeit?“

Immer wieder ist Sebastian Kurz das Thema:

"Die Sanftmut dieses jungen Gottes ist gespielt." Oder: "Dem Land will er auch dienen, der neue Gott, der Partei will er dienen, den Menschen will er dienen, wir können gar nicht sagen, welche Herrlichkeit er bald erlangen wird, garantiert noch mehr, als er jetzt schon hat, und dann wird er noch viel mehr dienen und verdienen und andere verdienen lassen können." Oder: "Der ist nun wirklich zur rechten Zeit gekommen, dieser Gott! Sein Anzug hat schon ungeduldig auf ihn gewartet, es ist gewiß schwierig hineinzukommen."

Oder: „Er ist so jung, den behalten wir auf Jahrzehnte, jahrzehntelang sollen wir empfangen des Jubelgottes Schwärmerei? Na bumm.“ Das wird was geben!