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Elfie Semotan: Fotografie-Ikone mit 84 Jahren verstorben

Die international gefeierte Fotografin erlitt beim Schwimmen im Freibad Jennersdorf einen Herzstillstand. Elfie Semotan wurde 84 Jahre alt.
Eine lächelnde Frau mit grauen Haaren blickt zur Seite.

Sie kannte beides: das Gefühl, vor der Kamera zu stehen, sowie jenes, durch den Sucher zu blicken. Der Ausflug ins Modelbusiness blieb eben genau das - ein Ausflug. Die Fotografie hingegen wurde zur Leidenschaft und zum Motor einer einzigartigen Karriere. 

Am Samstag ist Elfie Semotan im Alter von 84 Jahren gestorben. Sie dürfte im Freibad Jennersdorf einen Herzstillstand erlitten haben.

Geboren wurde Semotan am 25. Juli 1941 in Wels. Die oberösterreichische Einschicht wurde zunächst gegen Wien getauscht, wo sie die Modeschule Hetzendorf besuchte, bevor sie in den 1960er-Jahren in das pulsierende Leben von Paris eintauchte. Sieben Jahre lang arbeitete sie dort als Model - eine Erfahrung, der sie zeitlebens ambivalent gegenüberstand. 

"Ich stehe nicht sehr gerne vor der Kamera. Das ist immer eine Überwindung für mich", sagte sie einmal in einem APA-Interview. Die Konsequenz zog sie früh: Das Model Semotan wurde zur Fotografin Semotan.

Superstars vor der Linse

Der Wechsel hinter die Kamera zahlte sich rasch aus. Bald arbeitete sie für renommierte Magazine wie „Vogue", „Elle" oder den „New Yorker". Die Liste jener, die ihr vor die Linse kamen, liest sich wie ein Who's who der Weltkultur: Hollywoodstars wie Marion Cotillard, Colin Farrell, Brad Pitt und Willem Dafoe, Supermodels wie Naomi Campbell, aber auch heimische Größen wie Elfriede Jelinek, Stefan Sagmeister und Maria Lassnig. Ihre Porträts galten als ungewöhnlich persönlich - ein Blick, der über das Äußerliche hinausging.

Dass sie mit zwei ebenso berühmten Männern verheiratet war, dem Künstler Kurt Kocherscheidt und nach dessen Tod mit dem deutschen Künstler Martin Kippenberger, hat Semotan nie verheimlicht. 

Eine Fußnote wollte sie darin aber nie sehen: "Ich will nicht immer über die Männer definiert werden."

Palmers, Römerquelle, Helmut Lang

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Semotan nicht durch ihre Kunst- und Modefotografie zum Begriff, sondern durch ihre Werbearbeiten. In Österreich legendär sind ihre Sujets für Palmers und Römerquelle. Dass sie damit das System von innen heraus schöner und intelligenter machen wollte, räumte sie selbst ein - und gestand auch das Scheitern dieses Plans: "Die Arbeiten, die ich gemacht habe, wurden mit der Zeit wieder aufgegriffen von der Branche und vereinnahmt."

Eine besondere Freundschaft verband sie mit Modeschöpfer Helmut Lang. Die Wiener Fotogalerie WestLicht wurde 2001 mit Werken aus ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit eröffnet. Daneben schuf Semotan inszenierte Waldarbeiten, in denen transparente Stoffe Bäume umschlingen, bekleidete Puppen im Gebüsch stehen und bunte Plastikfolien Akzente setzen - Bilder, die sich mit dem Klimawandel und der Bedeutung des Waldes auseinandersetzten.

Auszeichnungen und Autobiografie

Für ihr Werk wurde Semotan vielfach geehrt: 2004 erhielt sie das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien, 2011 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, 2024 den Großen Landespreis für Kultur des Landes Oberösterreich in der Sparte Fotografie. 2016 veröffentlichte sie unter dem Titel "Eine andere Art von Schönheit" ihre Autobiografie. 2019 setzte ihr der Dokumentarfilm "Elfie Semotan. Photographer" von Joerg Burger ein filmisches Denkmal. Zuletzt schuf sie anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Wiener Museumsquartiers eine Fotostrecke, in der sie unterschiedliche Persönlichkeiten porträtierte.

Was ein großartiges Bild ausmacht, hatte sie längst für sich beantwortet: "Großartig wird ein Bild, wenn das Handwerkliche zusammenfällt mit etwas Undefinierbarem. Das Handwerkliche macht nicht das beste Foto. Wenn es ganz exzessiv ist, kann es sogar alles Leben zerstören. Dann hat man eine perfekte Arbeit, die nicht mehr interessant ist." 

Elfie Semotan hinterlässt zwei Söhne.

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