„Eindeutige Fotos“ überschritten Grenze: Eklat um Sammlung in Tirol
Als Peter Weiermair, als Begründer des Innsbrucker „Forum aktuelle Kunst“ und als Direktor des Salzburger Rupertinums langjähriger Impulsgeber der österreichischen Kunstszene, 2021 starb, nannte ihn die Tiroler Tageszeitung einen „Überzeugungstäter“ – und meinte das durchaus positiv.
Dasselbe Medium rückte den Kunsthistoriker, Kurator und Verleger nun in ein anderes Licht: In seiner 12.000 Bildwerke und 40.000 Bücher umfassenden Sammlung sollen sich Missbrauchsdarstellungen von Buben befunden haben. Ein dem Medium zugespielter Datenträger mit laut TT „eindeutigen“ Darstellungen führte dazu, dass Land Tirol und das Tiroler Landesmuseum vom Plan zurücktraten, Weiermairs Sammlung anzukaufen. Ein Schätzgutachten bezifferte den Preis dafür mit 1,7 Millionen Euro.
Was die Fotos genau zeigen, bleibt vorerst unklar. Es soll um elf Bilder mit „mündigen Minderjährigen“ aus dem riesigen Konvolut gehen, das in drei Wohnungen in Innsbruck und Frankfurt gelagert war. Dass Weiermair Gewaltdarstellungen sammelte, schließt ein mit der Sammlung befasster Experte im KURIER-Gespräch aus. Dass manche Bilder aus einem Kontext stammen, in dem der Missbrauch eines Autoritäresverhältnisses vorlag, sei jedoch denkbar.
Im Interview mit dem ORF zeigte sich Roland Sila, Leiter der Bibliothek des Ferdinandeums, enttäuscht vom Ankaufsstopp, der nun auch vor dem Erwerb einiger ausgewählter Spitzenwerke haltmacht. Dem Land gehe dadurch eine Chance verloren, in den Besitz von Werken berühmter Künstler wie David Hockney, Robert Mapplethorpe oder Andy Warhol zu kommen.
Weiermair startete seine Karriere u. a. in der Innsbrucker Galerie im Taxispalais und hatte später am Rupertinum in Salzburg, dem Frankfurter Kunstverein und der Galleria dell' Arte Moderna in Bologna Leitungsfunktionen inne. Dass er eine Leidenschaft für homoerotisches Bildmaterial hegte, war kein Geheimnis und teils in seinen Ausstellungen und Buchveröffentlichungen (z. B. „Männer sehen Männer“, 1986) abzulesen.