Kultur 14.02.2017

Eine Welt jenseits des Pinselstrichs

Svenja Deininger, Ausstellungsansicht 17, Foto: Markus Wörgötter honorarfrei zur Aussstellung Secession © Bild: /Markus Wörgötter

Herausragende Malerei von Svenja Deininger, Skulpturales von Angelika Loderer und Gabriel Sierra in der Secession

Wow. Es ist nicht das erste Mal, dass dieses Erstaunen angesichts der Bilder von Svenja Deininger durch den Kopf schießt: Die Künstlerin, 1974 geboren, beeindruckte schon mehrmals mit ihrer extrem präzisen Arbeit. Es ist abstrakte Malerei, die sich aber nicht nur über Formen und Farben definiert, sondern vor allem über Texturen und Schichtungen; Malerei, die feine Differenzen verdichtet vor Augen führt.

Deininger hatte mehrere bemerkenswerte Ausstellungen – in der Kunsthalle Krems, in der Galerie Martin Janda, auch in den USA ist sie erfolgreich, lässt sich mitunter doch eine Nähe ihres Werks zu amerikanischen Heroen wie Ellsworth Kelly oder Frank Stella entdecken.

Svenja Deininger, Ohne Titel, Öl auf Leinwand, 201…
Svenja Deininger, Ohne Titel, Öl auf Leinwand, 2016/17, Foto: Markus Wörgötter honorarfrei zur Aussstellung Secession © Bild: /Markus Wörgötter
Nun aber ist es – wow! – die Secession, und – wow! – es sind große Formate zu sehen: Alle Arbeiten entstanden 2016 und 2017 eigens für dieseAusstellung, die – ganz im Geist der Secession – als Gesamtkunstwerk funktioniert.

Deininger ließ den lichten großen Saal in drei Schiffe unterteilen und zwei raumhohe Durchgänge zu den Seitenteilen schaffen. Die sich daraus ergebenden Durchblicke und Betrachtungssituationen korrespondieren mit den Bildern, in denen es stets auch um Zeigen und Verbergen, um ein Davor und Dahinter geht. Einige Formen sind von der Architektur des Jugendstil-Baus inspiriert.

Abgehoben

Reliefartig abgestufte Flächen, abgeschliffene und raue Farb-Ebenen, transparente Übermalungen und farbig hinterlegte Leinwände – das sind nur ein paar der „Vokabeln“, mit denen Deininger das malerische Repertoire jenseits des Pinselstrichs erweitert. In der Secession beeindruckt nicht zuletzt der Einfallsreichtum, mit dem die Künstlerin ihr Repertoire ausspielt und Formen und Textur-Ebenen miteinander verschränkt. Die Möglichkeiten, mithilfe der Malerei Form und Raum zu schaffen, erscheinen auf einmal wieder unbegrenzt.

Angelika Loderer / honorarfrei zur AusstellungSece…
Angelika Loderer / honorarfrei zur AusstellungSecession © Bild: /Matthias Bildstein
Wenn Deininger das flächige Bild dabei an den Rand des Skulpturalen rückt, erweitern die anderen Künstler des aktuellen Ausstellungs-Zyklus (bis 26.3.) die Grenzen der Skulptur: Angelika Loderer, Trägerin des Dagmar-Chobot-Skulpturpreises, zeigt im Obergeschoß fragile Sand-Skulpturen und durch Pilzkulturen „belebte“ Objekte; Gabriel Sierra schuf im Untergeschoß Einbauten in der Art von Schaukästen, die von den Besuchern gefüllt werden wollen. Nicht versäumen!
( kurier.at ) Erstellt am 14.02.2017