Tuba-Player Jon Sass im Kunsthaus Nexus mit einem Mix aus Jazz-Funk, Soul, R&B und Hip Hop

© Pressefoto Saalfelden/Michael Geissler

Kultur
08/23/2021

Das war das Jazzfest Saalfelden: Eine Party der großen Freiheit

Selten war Hören so bewegungsintensiv in Saalfelden wie heuer beim Wechseln zu den verschiedenen Spielorten.

von Werner Rosenberger

Einen sentimentalen Rückblick kann ich mir nicht verkneifen auf fast lückenlos erlebte 40 Jahre Festival, bei dem so viele Kapazunder wie Sonny Rollins, Airto Moreira, Lester Bowie, Sam Rivers, Sun Ra und andere aufgetreten sind. Aber: Tempi passati.

Selten war Hören so bewegungsintensiv in Saalfelden wie heuer beim Wechseln zu den verschiedenen Spielorten. Obwohl: So stressig war’s dann auch nicht wie beim North Sea Jazz in Rotterdam, wo an einem Juli-Wochenende auf 50 Bühnen 1.300 Künstler spielen.

Aber auch im Salzburger Pinzgau zerfranst’s und zerfleddert’s allmählich zwischen Hauptbühne, Kunsthaus Nexus, Bikertour mit Jazz und der pittoresk vergammelten Otto-Gruber-Halle aus den 50er-Jahren, die eine etwas merkwürdige Akustik hat, es sei denn man fährt mit Vollgas-Karacho hinein wie die Band Hang em High oder betäubt die Ohren mit pulsierenden Beats und ekstatischen Saxofonen.

Wort und Klang

In der Buchbinderei Christian Fuchs war die Einladung zu dada-inspiriertem Wahnwitz: „Kommen Sie nur, und denken Sie gar nichts.“ Während einer Wort-und-Klang-Performance von Artist in Residence Christian Reiner wurde ein 16 Meter-Satz zur Musik gedruckt.

Am Sonntag ging’s in den Wald an die frische Luft zu Craig Taborn solo in einer Regenpause am Fender Rhodes E-Piano. Open Air neben wilden Brombeeren und Himbeeren zum Pflücken. Er brachte 250 Zuhörer zum andächtigen Lauschen in die Natur und zugleich Skeptiker zum Verstummen, die vielleicht auch skeptisch meinen: Jazzwandern und Jause mit Musik auf der Alm, braucht's das wirklich? Wer’s erlebt hat, weiß: Im Grünen und am Berg klingt’s anders.

Tatsächlich waren die „We hike Jazz“-Ausflüge – im Gegensatz zu den Konzerten auf der Mainstage – restlos ausverkauft. Man muss also nicht mit Hansi Hinterseer Fanwandern. Auch Lukas Kranzelbinder hat seinen Kontrabass schon auf so manchen Gipfel geschleppt auf der Suche nach Antworten auf die Frage: Was macht Landschaft mit Musik?

Freie Improvisation

Sonst war der Intensitätspegel heuer hoch bei etwas inflationären freigeistigen Sound-Extremisten und Fusion-Gigs mit gitarristischen Kraftlackeleien. So erfüllte sich der US-Gitarrist Marc Ribot mit Ceramic Dog seinen „Rockband“-Traum.

Aber vorherrschend war vor allem, als gäb’s nix anderes: Free als Ekstase, Free als Impro-Aktionismus, Free als Eintauchen in Cluster-Vollbäder etwa beim Klavierduo Sylvie Courvoisier/Kris Davis, einer Weltpremiere. Bei den beiden ist es eckig und kantig. Und atonal. Superverrückt. Dynamisch. Sie springen im Jump-Cut oft urplötzlich von einer Idee zu einer ganz anderen.

Manches muss man gehört haben – anderes wiederum nicht. Denn irgendwann wird’s anstrengend, wenn alle nur noch die große Freiheit ausleben. Aber da war ja noch Nino aus Wien mit einem durchaus charmanten Auftritt. Nur: Was macht der Austropopper beim Jazzfest?

„Wir wollten auch einen breiteren Geschmack treffen“, sagt entwaffnend ehrlich Intendant Mario Steidl, „und so auch Menschen, die nicht so im Jazz beheimatet sind, mitnehmen.“

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