Kultur
20.10.2017

Eine abgestürzte Liebende

"Krokodile und edle Ziele" von Liza Cody: In der Fortsetzung kämpft "Lady Bag" wieder mit Humor gegen den Alltag.

Es gehört einige Überwindung dazu für die Feststellung, dass Liza Cody in "Krokodile und edle Ziele" nicht überzeugt.

Die Sympathie für die 73-jährige Londonerin und ihre Frauenfiguren ist groß.

Die (erfundene) Wrestlerin Eva Wylie – die "Killerqueen" – hatte Liza Cody bekannt machte: Groß, bullig ist Eva, abgebrochene Zähne hat sie – wer ihr blöd kommt, den steckt sie mit dem Kopf in in die Klomuschel. Sie haust auf einem Schrottplatz, spart auf ein schönes Gebiss ... und gern würde man ihr die eigene Schulter zur Verfügung stellen, zum Ausweinen, zum Schwachsein.

So ist das auch bei Liza Codys Lady Bag (= Obdachlose). Eine abgestürzte Liebende. Alkoholikerin. Wenn sie ihr Bekannter, ein Fummel-Diva-Automechaniker, nicht im alten Lieferwagen schlafen lässt, schläft sie in finsteren Londoner Gassen und hofft, dass Besoffene nicht nachts auf sie pinkeln. Ihre Hündin Electra ist ihr Ein und Alles. Ein Greyhound, den der Trainer, als er keine Rennen mehr gewann, einschläfern lassen wollte.

Am Verhungern

Der Roman "Lady Bag" erschien 2013. Kritiker überschlugen sich in Lob, weil Liza Cody so fern von Sozialromantik schreibt, so unsentimental. Die Krimihandlung ist egal. Jetzt gibt es die Fortsetzung.

Wegen Diebstahls im Gefängnis, wurde Lady Bag von jener Mitgefangenen, mit der sie die Klos putzen musste, gebeten, nach Freilassung nach deren kleinem Sohn zu schauen. Hat Lady Bag selbstverständlich getan: Der Dreijährige lebte bei der Großmutter und ihrem Zuhälter, sein Körper wurde als Aschenbecher missbraucht, und er war am Verhungern.

Dem Thema zum Trotz gibt es ordentlich Slapstick, denn das ist das Rezept der Autorin. Slapstick gegen den Alltag. (Cody war früher übrigens Restauratorin bei Madame Tussauds, spezialisiert auf Hitlers Haare.)

400 Seiten sind zu viel für die Dialoge, die oft nichts vorwärts treiben. Was nichts daran ändert, dass man mit Freude und Ungeduld aufs nächste Buch von Liza Cody wartet.


Liza Cody:
Krokodile und
edle Ziele“
Übersetzt von
Else Laudan.
Argument Verlag mit Ariadne.
432 Seiten.
19,60 Euro.

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern