Kultur
05.12.2011

Ein Sammler aus Leidenschaft

Afrika, mon Amour. Herbert Stepic zeigt im BA-Kunstforum Stammeskunst, die er im Lauf von 30 Jahren auf seinen Reisen zu- sammengetragen hat.

Immer wenn Herbert Stepic auf Reisen in ferne Weltgegenden aufbricht, sagt seine Frau nicht: "Pass auf dich auf, damit dir nichts passiert!" Sondern: "Bitte bring nicht schon wieder etwas nach Hause!" Die schönsten Reisemitbringsel des Bankers und Vorstandsvorsitzenden der Raiffeisen Bank International sind ab Freitag im Bank Austria Kunstforum ausgestellt: "AFRIKA. AFRIQUE. AFRICA." (bis 1. Oktober).

Da beginnt man rasch zu begreifen, dass Afrika kein geschichtsloser Kontinent ist. Und weit mehr als ein mediales Zerrbild aus Krieg, Hunger und Massenflucht. Sein bis heute anhaltendes Faible für den schwarzen Kontinent und dessen intensive, ausdrucksstarke Kunst begann vor mehr als einem Vierteljahrhundert. Stepic im KURIER-Gespräch: "Afrika - die Wiege der Menschheit und mein Liebeskontinent - löst Emotionen aus, lässt einen nicht kalt - mit seinen Landschaften, Menschen, Mythen, Riten und seiner Magie."

Ethno-Kunst

Stepics Sammlung afrikanischer Kunst - zum Teil erstmals öffentlich präsentiert - besteht aus mehr als 400 Objekten, darunter moderne, aber auch 2500 Jahre alte Stücke aus Holz, Metall und Terracotta sowie Webe- und Perlenarbeiten. Die meisten kommen aus dem Grasland des heutigen Kamerun.

Gold- und Perlenobjekte, Leihgaben des Museums Liaunig in Neuhaus, Kärnten, und von Peter Liaunig selbst erweitern die Schau und geben Einblicke in die Goldkunst der Ashanti und in die Glasperlenindustrie, die in mehreren Regionen Westafrikas, später im südlichen Afrika - besonders bei den Zulu-Völkern - blühte.
Die Ausstellung ist dem Sammler aus Leidenschaft ein "Herzensprojekt". "Meine allerersten Stücke - drei Masken - habe ich vor mehr als 30 Jahren von einem fahrenden Händler in Trashville in Abidjan in einer Holzhütte gekauft", sagt Stepic und betont: Nicht um Werte zu schaffen, sondern aus purer Freude am Besitz kam eine Trouvaille zur anderen.
"Ich habe bei jedem Stück das Besondere gesucht und gesehen und es deshalb erworben." So entstand in Jahrzehnten eine Kollektion, die teils in Kisten schlummert, teils Stepics Büro schmückt und jetzt auf der Freyung ins Spotlight gestellt wird. Faszinierende Aura Masken und Kopfaufsätze, Throne und Hocker, Prunkstäbe, Grabstatuetten, Ahnen-, Fetischfiguren, Reliquiare ...

Stepic hat "vor allem die enge Beziehung der Gegenstände zur Mythologie, zur Religion und zur Bewältigung der Naturkräfte fasziniert". Die archaische Wucht und spirituelle Kraft. Und nicht, wie bei vielen anderen Sammlern, die Bedeutung der afrikanischen Kunst für die abstrakte Moderne.

Archaisch

Und der Haudegen unter den Bankern lebt mit den Objekten seiner Sammlerbegierde, umgibt sich mit den magischen Skulpturen und Masken voller Symbolkraft, ohne die weder Kubismus, Expressionismus noch der Surrealismus denkbar gewesen wären.
Die kleine Bronzefigur auf seinem Schreibtisch, die einen Oba - eine Art König - darstellt, hat er von einer Marktfrau in Benin gekauft. Ein in einer Ecke seines Büros mit Panorama-Blick auf den Stadtpark aufgestellter Faun diente früher einmal als Buschtrommel. "Wenn man mit einem Holzschlägel draufhaut, hört man das 40 Kilometer weit", erzählt Stepic. Eine wertvolle Nok-Figur aus Zentralnigeria steht unter einem Glassturz, "damit die Putzfrau nicht versehentlich etwas kaputt macht".

Stepic kennt sich aus im Metier, kauft "schnell entschlossen", aber "nicht um jeden Preis" am Ursprungsort und weiß, dass auch viele Fälschungen im Umlauf sind: "Ich kaufe nur bei Händlern, die ich seit Jahren kenne. Ich kann also für jedes meiner Stücke die Herkunft belegen. Und alle ausgestellten Terracotten sind natürlich mit der Thermolu-mineszenzanalyse datiert, mit der sich das Alter von Keramiken bestimmen lässt."
Für Katalog, wissenschaftliche Begleitung und "Komposition der Ausstellung" konnten die Völkerkunde- und Afrika-Kunst-Experten Armand Duchâteau und Karl-Ferdinand Schaedler gewonnen werden.

Pläne

Das Feuer der Sammlerleidenschaft brennt indes weiter. Zur Suche nach Preziosen kam zuletzt auch wachsendes Interesse, ein Museum oder ein Schloss "mit hohen Räumen und weißen Wänden" zu finden, dem Stepic seine Stücke als Stiftung zur Verfügung stellen kann:
"Bis jetzt ist mir das leider nicht gelungen. Aber ich habe schon den Ehrgeiz und Anspruch, dass die Sammlung nicht auf Nimmerwiedersehen in einem Depot verschwindet, sondern auch in Zukunft der Öffentlichkeit zugänglich ist." Vor allem eines macht den Mann, der so gar nicht in die Nadelstreif-Uniformität seiner Branche passt, sympathisch: Dass er in unserer so geldfixierten Zeit - frei nach Oscar Wilde - nicht den Preis seiner Kollektion kennt, aber deren Wert.

Tribal Art: Kunst aus Schwarzafrika

Ausstellung: Schwarzafrikanische Stammeskunst steht im Mittelpunkt von "AFRIKA. AFRIQUE. AFRICA." Rund 200 Objekte aus Holz, Metall und Terracotta sowie Webe- und Perlenarbeiten. Der Sammler Herbert Stepic hat sie in 30 Jahren auf zahlreichen Afrika-Reisen zusammengetragen.

Wann & Wo: 26.8. bis 1.10. Bank Austria Kunstforum, 1., Freyung 8, täglich 10 bis 19 Uhr, Fr. 10 bis 21 Uhr. Führungen: Fr. 18.30 Uhr, Sa. 15.30 Uhr (ausgenommen 17. 9.), So. 11 Uhr. Katalog 29,90 €.

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