Flüchtete vor Franco, dann vor den Nazis: Nogales (1897–1944)autor Manuel Nogales, gemeinfrei

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Manuel Chaves Nogales
08/29/2015

Ein Roman, wild und traurig wie der Flamenco

"Die Erinnerungen des Meistertänzers Juan Martínez, der dabei war" von Manuel Chaves Nogales

von Peter Pisa

Den Spanier Juan Martínez erlebte die Russische Revolution hautnah mit, in Sankt Petersburg, Moskau, Kiew. Er war dabei, als innerhalb einer Woche 40.000 Polizisten des Zaren von den Bauern mit Bajonetten an die Wand genagelt wurden.

Er wäre von ihnen fast selbst getötet worden, aus Hass auf die Bourgeoisie.

„Ich bin Proletarier!“ rief er. –„Du lügst!“

Da zeigte er die Schwielen auf seinen Handflächen, und man ließ ihn in Ruhe.

Diese Schwielen hat jeder Flamencotänzer von den Kastagnetten.

Juan Martínez ist echt, eine historische Figur. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde er zum weltbesten Flamencotänzer gewählt.

Mit seiner Frau und Partnerin Sole hatte er Engagements in Paris, Istanbul, Russland – der Krieg trieb sie weiter, die Revolution nahm sie für Jahre gefangen.

Der damals nicht minder bekannte Journalist Manuel Chaves Nogales aus Sevilla begegnete dem Tänzer Anfang der 1930er-Jahre in Paris.

Und ließ ihm sein abenteuerliches Leben erzählen.

Und formte daraus 1934 eine literarische Reportage, die kürzlich wiederentdeckt wurde.

(Ein Jahr später, 1935, porträtierte Nogales den Stierkämpfer Juan Belmonte, oft als bester Torero der Welt bezeichnet. Dieses Buch, „Matador de toros“, wurde noch nicht übersetzt.)

„Die Erinnerungen des Meistertänzers ...“ sind anekdotisch und rasen durch die Zeit, die rasend geworden ist. Meist schrecken die Bilder, manchmal amüsieren sie – wenn Martínez verboten wird, vor dem Zarenhof in den üblichen engen Karottenhosen zu tanzen. Er musste „Fluffiges“ anziehen zum Bolero.
Die beste Geschichte steht hinten im Buch, nur kurz. Juan Martínez hielt sie angeblich geheim, der Journalist hat es herausgefunden:

Es gab eine Tochter. Sie wurde in Istanbul getauft. Weil die andalusischen Künstlereltern von Land zu Land reisten, ließen sie das Mädchen in Italien von einer Amme aufziehen.

Pünktlich wurde monatlich Geld überwiesen, und als in der verrückten Welt endlich wieder Gelegenheit für einen Besuch war, war die Dorfbewohnerin, der die Tochter anvertraut wurde, weg – tot. Und die Kleine? Angeblich auch tot. Was nicht stimmte: Eine reiche Frau hatte sie adoptiert, mit gefälschten Papieren. Es gab keine Möglichkeit, diese Entführung zu beweisen.

Der Flamenco ist traurig, ist schwermütig, wild – und zornig.

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