Akrobatische Einlagen, schöne Farben und tänzerische Eleganz: John Neumeiers „Meine Seele ist erschüttert“

© Kiran West

Kultur
08/30/2021

Ein Rocker namens Ludwig

John Neumeiers Ballett „Meine Seele ist erschüttert – Beethoven-Projekt II“ als fulminanter Saisonauftakt.

Von Silvia Kargl

Der Auftakt zur neuen Saison im Theater an der Wien ist geglückt. Was für ein fulminanter Start in die neue Spielzeit, den das Hamburg Ballett mit der österreichischen Erstaufführung von John Neumeiers (82) „Meine Seele ist erschüttert“, dem „Beethoven-Projekt II“ des Starchoreografen, hingelegt hat.

Erst 2018 begann Johan Neumeiers intensive Auseinandersetzung mit Kompositionen Ludwig van Beethovens, die 2020 im Gedenkjahr von Beethovens 250. Geburtstag ihre Fortsetzung hätte finden sollen.

Sieben Mal wurde die Premiere infolge der Covid-19 Einschränkungen verschoben, ehe die Uraufführung in Hamburg im Mai dieses Jahres stattfinden konnte.

Neue Einstudierung

Die von Hélène Bouchet und Aleix Martínez angeführte Uraufführungsbesetzung stand nun auch bei der österreichischen Erstaufführung mit einer musikalischen Neueinstudierung auf der Bühne.

Auch wenn es gelegentlich kleine Ausrutscher im Ensemble gab, so zündeten die Tänzerinnen und Tänzer im Zusammenwirken mit dem Wiener Kammerorchester unter Constantin Trinks ein mitreißendes Feuerwerk an Schritten, Sprüngen und sogar akrobatischen Einlagen zu Ludwig van Beethovens siebenter Symphonie.

In Neumeiers großem Oeuvre nehmen Choreografien zu Musik, die ursprünglich nicht für den Tanz entstand, eine Sonderstellung ein. Waren es bisher unter anderem Johann Sebastian Bach, Gustav Mahler und Wolfgang Amadeus Mozart, so hat er jetzt auch zu Beethoven ein eigenes, wunderbar harmonisches, manchmal auch humorvolles Bewegungsvokabular gefunden. Beethoven ist nicht nur klassisch, sondern rockt!

Elegante Farben

Nahtlos gehen die vier Sätze im als „Tanz!“ bezeichneten Abschnitt des Ballettabends ineinander über. Sie folgen unterschiedlichen Themen, zu denen die eleganten Kostüme von Albert Kriemler – aka A-k-r-i-s – in Farbtönen zwischen Weiß, Blau, Rot und Gelb glänzen. Auch in der vorangestellten „Hausmusik“ wird Beethoven auf der einen Seite vom Sockel geholt, auf der anderen Seite bekommt er gerade durch dezente Anspielungen auf seine Biografie wie der Schwerhörigkeit und Einsamkeit eine menschliche Note, die ihn keineswegs schmälert.

Große Verzweiflung

Dazu hat Neumeier Kammermusik Beethovens gewählt, die zur Zeit der Verfassung des Heiligenstädter Testaments entstand, der Phase einer großen Verzweiflung Beethovens. Für die Arie „Meine Seele ist erschüttert“ konnte Neumeier mit Klaus Florian Vogt einen absoluten Startenor der Opernszene gewinnen, der wie auch Anton Barakhovsky (Violine) und Hanni Liang (Klavier) in weiteren Ausschnitten aus Werken des Komponisten überzeugt.

Am Ende wirkt der umjubelte Abend wie ein energischer Aufbruch in eine neue Zeit, für die Beethoven durchaus symbolisch wie zeitlos stehen kann. Für John Neumeier gab es stehende Ovationen.

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