Requiem für Hermann Nitsch  der Pfarrkirche von Prinzendorf  

© Thomas Trenkler

Kultur
05/07/2022

Ein Requiem für Hermann Nitsch – als letzte Aktion des Meisters

Der tief gläubige Künstler wurde samt einem Doppler in einer Gruft im Garten von Schloss Prinzendorf bestattet

von Thomas Trenkler

Gotteshäuser waren Hermann Nitsch immer heilig gewesen. In der Pfarrkirche von Prinzendorf fand aber nun, am Samstagnachmittag, doch so etwas wie eine Nitsch-Aktion statt – mit dem Requiem für den Künstler, der am 18. April, wenige Tage vor seinem 84. Geburtstag, im Krankenhaus von Mistelbach gestorben war: Vor dem Altar hing ein schwarzes Schüttbild mit Malhemd und roten Tupfern; der Sarg im Mittelgang war nichts weiter als eine schlichte Kiste; die drei Ministrantinnen und der Ministrant (Ex-Presse-Chefredakteur Michael Fleischhacker) trugen, wie auch Pater Friedhelm Mennekes, Messgewänder, die Nitsch bemalt hatte.

Der Organist des St. Pöltner Doms griff in die Tasten, um die Musik von Nitsch, mächtige Ganztonclustergebirge, erschallen zu lassen. Auch Mozart wurde gespielt. Und Mennekes, der viel über die Schnittpunkte von Kunst und Religion publiziert hat, erfüllte den Wunsch von Nitsch nach einer Totenmesse in lateinischer Sprache. In seiner Predigt ging er auf den Umstand ein, dass der tief gläubige Künstler nicht ohne Grund am Ostermontag gestorben sein dürfte: Laut dem Evangelisten Lukas begegneten zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus dem auferstandenen Jesus. Und so hing vor dem Pult eine Abbildung der „Jünger von Emmaus“. Nitsch hatte Rembrandt über die Maßen geschätzt.

Nach dem letzten Satz aus Beethovens 7. Symphonie, dargebracht von einem Streicherensemble, trugen Freunde den Sarg auf einer „Stiertrage“, einem Requisit des Orgien Mysterien Theaters, durch Prinzendorf und die Allee zum Schloss, das ein halbes Jahrhundert lang die zentrale Wirkungsstätte von Nitsch war. 150 geladene Gäste begleiteten ihn auf seinem letzten Weg, darunter Galeristin Ursula Krinzinger, Bildhauer Erwin Wurm, Sammler Karlheinz Essl, Ausstellungsmacher Lóránd Hegyi und Biografin Danielle Spera. Auch Erwin Pröll, der Nitsch immer gegen Anwürfe verteidigt hatte, war mit seiner Frau gekommen.

Mit einem „Hopp“ wuchteten die Totengräber die Kiste in die nüchterne Betongruft im Schlossgarten. Ehefrau Rita Nitsch wird irgendwann neben ihm zu liegen kommen. Und damit es ihm im Jenseits wohl ergeht, gab sie ihm einen Doppler Nitsch-Wein mit. Samt Korkenzieher und Achterlglas.

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