Kultur
29.01.2013

"Ein dramatischer Schritt"

Die Leiter des Leopold Museum erklären den Verkauf von drei Schiele-Blättern und ihre Finanzsorgen.

Am kommenden Dienstag lässt das Leopold Museum drei Blätter von Egon Schiele bei Sotheby’s London versteigern: Mit dem Erlös – geschätzte 10 bis 14 Millionen Euro – wird ein Vergleich mit den Erben des Raubkunst-Werks „Häuser am Meer“ (siehe Bild unten re.) finanziert. Im KURIER sprechen Elisabeth Leopold, die Witwe des Museumsgründers, sowie die Direktoren Tobias G. Natter und Peter Weinhäupl über den Erhalt der Sammlung und über drängende Finanznöte.

KURIER: Bereits 2011 wurde das Schiele-Gemälde „Häuser mit Bunter Wäsche“ versteigert, um das „Bildnis Wally“ im Museum zu halten. Wie wurden nun die drei Bilder für die Auktion ausgewählt?

'Am Rücken liegendes Mädchen' (1918)
https://images.kurier.at/46-53480619.jpg/2.955.418
Sotheby's
LOS 7 PROPERTY FROM THE LEOPOLD MUSEUM, VIENNA E…
LOS 7 PROPERTY FROM THE LEOPOLD MUSEUM, VIENNA EGON SCHIELE 1890 - 1918 AM RÜCKEN LIEGENDES MÄDCHEN MIT ÜBERKREUZTEN ARMEN UND BEINEN (GIRL LYING ON HER BACK WITH CROSSED ARMS AND LEGS) signed Egon Schiele and dated 1918 (lower right) black crayon on paper 44.4 by 29.3cm. 17 1/2 by 11 1/2 in. Executed in 1918. SCHÄTZUNG 700,000-1,000,000 GBP
Tobias G. Natter: Wir mussten eine Antwort auf die Frage finden, wie das Museum diesen Finanzbedarf deckt. Sollten wir weniger bedeutende Blätter in großer Zahl verkaufen, die nicht so ertragreich sind, oder eher etwas Substanzielles, wo vielleicht drei Blätter ausreichen? Wir haben uns für den zweiten Weg entschieden, also für etwas, das am Markt reüssiert, umgekehrt aber die Bandbreite der Sammlung nicht schmälert. Am Schluss war zu prüfen: Was hat die Sammlung Leopold an Vergleichbarem, und gibt es in öffentlichen Sammlungen in Österreich verwandte Werke, die das Hauptwerk der drei – das „Liebespaar“ – kompensieren? Es musste auch gewährleistet sein, dass die Blätter vom Denkmalamt für die Ausfuhr freigegeben werden.

Elisabeth Leopold: Das Blatt – um das ich selbst trauere – ist unser Tribut an diese unglückliche Restitutionsangelegenheit, die wir unbedingt bereinigt haben wollen. Es ist ein absolutes Spitzenblatt, wie es in den vergangenen 12 Jahren wahrscheinlich nicht am Markt war.

Die Werke gehören der Leopold-Museum-Privatstiftung. Als deren Zweck ist festgeschrieben, die Sammlung zu erhalten. Wie hat man das gelöst?

Natter: Wenn wir uns schweren Herzens von diesen drei Blättern trennen, ist das ein dramatischer Schritt und allein durch das Ziel gerechtfertigt, ein für die Sammlung wichtiges Ölbild zu erhalten. Unter anderen Umständen wäre ein solches Vorgehen für die Stiftung nicht gangbar. Es muss auch klar gesagt werden: Die finanzielle Ausstattung des Leopold Museum ist seit Langem unzureichend. Seit Jahr und Tag werden wir von der Politik regelrecht ausgehungert. Aber trotzdem käme ein Verkauf aus der Sammlung nie infrage, um damit das laufende Budget aufzufetten.

Peter Weinhäupl: Für die Finanzierung von Vergleichen darf die Stiftung Kunstwerke verauktionieren, das bestätigt ein Gutachten von Prof. Theo Öhlinger. Und wir haben die Zustimmung des Kultur- und Finanzministeriums.

Wie wichtig war für Rudolf Leopold der Erhalt seiner Sammlung? Er verkaufte und tauschte selbst auch immer wieder.

Leopold: Dazu gibt es eine Geschichte: Ich ging einmal in der Früh weg, er hatte zwölf Blätter vor sich liegen und musste zwei verkaufen, um ein anderes Kunstwerk zu bezahlen. Ich sagte: Wie lange brauchst du? Er: Naja, zwei Stunden. Am Abend kam ich nach Hause, und er stand noch immer vor den zwölf Blättern. Verstehen Sie: Es war nicht so leicht. So ähnlich war es jetzt auch.

Über die Verdienste von Rudolf Leopold zur Wiederentdeckung Schieles wurde viel gesagt. Wie schätzen Sie die Strahlkraft des Museums heute ein?

Natter: Wir sind ein Sammlermuseum, hier sieht das Publikum die Kunst von Wien um 1900 mit Klimt, Schiele, Kokoschka und Zeitgenossen in der Zusammenschau mit Möbeln, Grafik und Design wie sonst nirgendwo. Wir machen vielbeachtete Ausstellungen und sind ein international gefragter Kooperationspartner. Wir freuen uns, wenn wir damit zur Marke Wien und ihrer Strahlkraft beitragen. Aber wir können nicht verstehen, warum wir von politischer Seite bislang kein positives Signal erhalten: Seit der Eröffnung 2001 werden wir jährlich mit ca. 2,5 Mio Euro subventioniert. Dieser Betrag ist in elf Jahren nie angehoben worden! Das ist ein unhaltbarer Zustand. Mir fällt kein zweites Beispiel ein, wo für so wenig investiertes Geld so viel für den Kultur- und Wirtschaftsstandort erreicht wird.

Können Sie sich organisatorische Änderungen vorstellen, um aus dieser misslichen Lage zu kommen?

Weinhäupl: Ausgeschöpft ist ziemlich alles, was es an Rationalisierungsmaßnahmen gibt. Bei allem, was ein Museum tun kann, versuchen wir auf dem modernsten Stand zu sein und Einnahmen zu lukrieren. Wir können nur mehr bei Ausstellungen sparen – doch das funktioniert nicht, das Museum muss leben, das wirkt sich ja auch auf Besucherzahlen und Eintritte aus. Sponsoring gilt immer als Ausweg, ist aber sicher kein Allheilmittel.

Es gibt noch die „Sammlung II“, die Rudolf Leopold nach 1994 anlegte. Erlauben Sie den Gedanken – könnte nicht die Familie Leopold damit als Mäzen des Museums auftreten?

Leopold (fährt auf, klopft auf den Tisch): Was soll ich diesem Staat schenken, der uns nicht einmal das Primitivste ersetzt? Da werde ich bös’ bei dem Gedanken.

Aktu

Der Millionen-Vergleich: Letzter Akt eines langen Streits

Das Bild

„Häuser am Meer“, 1914 von Egon Schiele gemalt, gehörte einst der Sammlerin Jenny Steiner. Es wurde von den Nazis 1938 beschlagnahmt und 1941 versteigert. Rudolf Leopold erwarb es 1955 vom Sohn der Käuferin – in gutem Glauben, wie er stets betonte.

Der Vergleich

13 Jahre dauerte der Streit zwischen dem Museum und den Erben von „Häuser am Meer“. Mit einer Enkelin Steiners einigte man sich 2011 auf eine Zahlung von 5 Mio. US-Dollar. Die weit verzweigten Rechtsnachfolger zweier Töchter Steiners stimmten im Juni 2012 einem Vergleich zu.

Die Auktion

Sotheby’s sicherte sich die drei vom Museum ausgewählten Blätter: Wie aus dem Katalog ersichtlich ist, gibt es für alle drei Werke bereits ein unwiderruflich eingebrachtes Gebot, zusätzlich garantiert das Auktionshaus eine bestimmte Summe. Der Vergleich ist damit fix finanziert.

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Nackte Männer: Das Leopold rüttelt an Tabus

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Japan-Schau (verlängert bis 18. Februar)

Japan-Schau im Leopold Museum

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