rechtefreies foto der schriftstellerin Edith Wharton

© ARCHIV

Deutsche Fassung
08/24/2013

Edith Whartons Roman "Dämmerschlaf"

Der böseste Roman der ersten Pulitzer-Preisträgerin über die oberen Zehntausend von New York.

von Peter Pisa

Dämmerschlaf“ ist eine Satire über jene Zeit, in der Menschen erstmals auf die großartige Idee kamen, nur Spaß haben zu wollen und Geld, viel Geld, und Alkohol und Charity, aber ganz sicher kein Mitgefühl, nein, nein: die „Goldenen Zwanzigerjahre“.

Die Satire merkt man etwa daran, dass eine Tochter ihre Mutter besuchen will, aber von deren Sekretärin zurückgehalten wird. Mutter hat einen vollen Terminkalender:

7.30: mentales Verjüngungstraining; 7.45: Frühstück; 8.00: Psychoanalyse; 8.14: Besprechung Köchin (denn die neapolitanische Gräfin Amalasuntha kommt zu Besuch); 8.30: stilles Meditieren ... dann Gesichtsmassage, Maniküre, ondulieren, eine Besprechung mit Freundinnen, weil man der Welt alles anschaffen will, bestimmt auch, wie man zu beten hat und wie Sex zu handhaben ist.

High bleiben

Aber immer merkt man in Edith Whartons Roman nicht, dass hier bloß Karikaturen zum Leben erwachen.

Oft denkt man – während sich die High Society New Yorks bemüht, high zu bleiben – an „echte“ Porträts von Typen, die sich in ihrem Hamsterrad bloß kurze Dämmerzustände gönnen, um ja nichts zu versäumen. Und nichts dämmert ihnen.

Besonders über die Frauen schüttete Edith Wharton (1862–1937) ihren Spott aus. Liest sich ja gut, wenn eine junge Ehefrau, deren Mann sich abstrudelt, damit man sich Haus und Butler leisten kann, nichts anderes zu sagen weiß als:

1.) Ihr ist langweilig.

2.) Sollte man nicht sämtliche Zimmer alle zwei Jahre neu einrichten?

Edith Wharton gehörte in New York selbst zu den oberen Zehntausend. Eine Vielschreiberin (40 Romane), die 1921 als erste Frau einen Pulitzer-Preis bekommen hat. Ihr Jubiläum im Vorjahr (sie wurde vor 150 Jahren geboren) machte der Manesse Verlag mit „Ein altes Haus am Hudson River“ bzw. „Traumtänzer“ und „Das Riff“ zu einem Fest der Wiederentdeckung. „Dämmerschlaf“ aus dem Jahr 1927 gilt als ihre böseste Geschichte.

Info:

Edith Wharton: „Dämmerschlaf“. Übersetzt von Andrea Ott. Manesse Verlag. 320 Seiten. 25,70 Euro.KURIER-Wertung: **** von*****
eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.