Drohen, Bezahlen, Klagen: Wie Harvey Weinstein gegen Gegner vorging

Harvey Weinstein
Foto: Richard Shotwell/Invision/AP Harvey Weinstein

"Du weißt, was ich tun kann": Die New York Times zeigt, wie der mächtige Hollywood-Produzent agierte.

"Ich kenne den Präsidenten", sagte Harvey Weinstein. "Wen kennst du?"

Die New York Times hat in einer ausführlichen Reportage von fünf Journalisten beschrieben, wie sich der mächtige Hollywood-Mogul mit allen Mitteln dagegen wehrte, dass seine sexuellen Verfehlungen an die Öffentlichkeit geraten. Weinstein setzte demnach ein komplexes Gefüge aus Schuldigkeiten, Abhängigkeiten und Drohungen ein, um sich vor Klagen und Medienberichten zu schützen.

Weinstein konnte sich dabei auf Ahnungslose oder Komplizen verlassen, mit denen er über Jahrzehnte Beziehungen aufgebaut hatte, auch unter den Journalisten. So hätten sich einige Reporter, die Weinstein covern sollten, von dessen finanziellen Angeboten - Buchvertrag, Drehbuch-Deal - einfangen lassen, schreibt die New York Times. Eine Gesellschaftsreporterin habe er sogar beauftragt, belastendes Material gegen Weinstein-Gegner zu recherchieren. Weinstein sei mit einem mächtigen Boulevardboss so eng befreundet gewesen, dass er in den Revolverblättern unantastbar gewesen ist. Schon als er wusste, dass zu seinen Verfehlungen recherchiert wurde, habe er sich zwei Schauspielerinnen auf ein Hotelzimmer schicken lassen.

Als dann die New York Times und der New Yorker doch berichteten, rief Weinstein Minuten vor dem Erscheinen des Times-Artikels die Journalisten der Zeitung an - um zugleich gute Stimmung zu machen und zu drohen. Er habe Wege herauszufinden, wer bei den Recherchen mitgemacht habe, und Mittel, um diese zu untergraben.

"Ich bin Harvey Weinstein", habe er oftmals gesagt. "Du weißt, was ich tun kann." Weinstein wob enge Netze mit u.a. Hillary Clinton und Amazon-Chef Jeff Bezos.

Rose McGowan Foto: AP/Paul Sancya Aber auch die Schauspiel-Agenturen haben mitgespielt. So seien Schauspielerinnen in die Hotelzimmer von Weinstein geschickt worden, obwohl die Agenten von den Umtrieben des Produzenten gewusst hatten. Wer sich wehren wollte, wurde beschwichtigt oder kaltgestellt. Und wenn nichts anderes half, warf Weinstein Geld in die Richtung der Vorwürfe: So bot er einer Agentin von Rose McGowan (die Schauspielerin erhob schwere Vorwürfe gegen Weinstein) 50.000 Dollar für einen neuen Buchdeal an.

"Das Beste, das du für deine Karriere tun kannst"

Und er verband auch die Übergriffe selbst mit den Karrieren der Schauspielerinnen: "Das Beste, das du für deine Karriere tun kannst, ist mitmachen", habe er gesagt.

Die Disney-Studios, die Weinsteins Miramax-Studio besitzen, sehen sich nun selbst mit einer Klage konfrontiert - Disney habe über Weinsteins Verfehlungen "gewusst, hätte darüber wissen sollen oder sich absichtlich blind gestellt", heißt es darin. Weinsteins Bruder Bob soll in Zahlungen an Frauen verwickelt gewesen sein.

Weinstein selbst leugnet die Vorwürfe.

(KURIER) Erstellt am
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