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Kunst
02/22/2019

documenta 15 wird vom Team ruangrupa kuratiert

Das Kollektiv aus dem indonesischen Jakarta verantwortet nächste Ausgabe der einflussreichen Kunstschau in Kassel 2022

von Michael Huber

Die documenta 15 wird ein Teamwork: Das Künstler-Kollektiv ruangrupa aus dem indonesischen Jakarta wird die kommende weltberühmte Kunstschau im Jahr 2022 kuratieren. Dies gaben die Verantwortlichen der weltweit wichtigsten Schau für zeitgenössische Kunst am Freitag in Kassel bekannt.

Ruangrupa, das aus einem festen Kern aus 10 Künstlern besteht, tritt damit die Nachfolge von Adam Szymczyk an, der die documenta 14 vor zwei Jahren künstlerisch verantwortete. Der Name der Gruppe kann aus dem Indonesischen mit „Raum der Kunst“, oder auch „Raum-Form“ übersetzt werden, wie es in der Aussendung der documenta hieß. Ruangrupa versteht sich als eine gemeinnützige Organisation, die sich der Vernetzung von Kreativen im Bereich der Kunstproduktion, des Ausstellens, aber auch der Ausbildung und des medialen Outputs verschrieben hat. Vor diesem Hintergrund betreibt das Kollektiv einen Kunstraum in South Jakarta, aber auch einen Radiosender und einen Shop. Mit kooperativen Ausstellungen war das Team, das sich 2000 formierte, bei zahlreichen Biennalen und Triennalen zu Gast. 2016 referierte das Mitglied Farid Rakun auch bei einer Tagung zum Thema "Globale Akademie" bei der Sommerakademie in Salzburg.
 

Vielfältige Zielgruppen

„Wir ernennen ruangrupa, weil sie nachweislich in der Lage sind, vielfältige Zielgruppen – auch solche, die über ein reines Kunstpublikum hinausgehen – anzusprechen und lokales Engagement und Beteiligung herauszufordern", hieß es nun in der Erklärung der documenta-Findungskommission. Eines der zehn Kernmitgleider von ruangrupa werde seinen Lebensmittelpunkt nach Kassel verlegen. Dort wolle man "eine global ausgerichtete, kooperative und interdisziplinäre Kunst- und Kulturplattform schaffen, die über die 100 Tage der documenta 15 hinaus wirksam bleibt", erkärten zwei ruangrupa-Mitglieder Farid Rakun und Ade Darmawan bei der Präsentation in Kassel.

"Unser kuratorischer Ansatz zielt auf ein anders geartetes, gemeinschaftlich ausgerichtetes Modell der Ressourcennutzung – ökonomisch, aber auch im Hinblick auf Ideen, Wissen, Programme und Innovationen", so die Künstler-Kuratoren weiter. "Wenn die documenta 1955 antrat, um Wunden des Krieges zu heilen, warum sollten wir nicht versuchen, mit der documenta 15 das Augenmerk auf heutige Verletzungen zu richten. Insbesondere solche, die ihren Ausgang im Kolonialismus, im Kapitalismus oder in patriarchalen Strukturen haben."

 

Politischer Ansatz

Ungleichheiten und ausbeuterische Systeme wollte auch Adam Szymczyk, der Leiter der documenta 14, ansprechen. Er war aber künstlerisch wie wirtschaftlich in die Kritik geraten: Mit ihren erstmals zwei Standorten in Kassel und Athen kam die documenta 14 auf ein Defizit von 7,6 Millionen Euro und stürzte darüber in eine Krise. Auch künstlerisch wurde das Konzept unter anderem als zu didaktisch und schwer verständlich kritisiert. Es kamen aber mit mehr als einer Million Besucher so viele Menschen wie noch nie zu der Schau.

Die documenta hat sich seit ihrer ersten Ausgabe 1955 mit stetig steigenden Besucherzahlen zur weltweit bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst entwickelt. Eine ähnliche Größenordnung erreicht nur noch die Biennale von Venedig. Seit 1972 findet die Schau im Fünf-Jahres-Rhythmus statt. Die documenta 15 ist vom 18. Juni bis 25. September 2022 in Kassel geplant.

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