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Digitalism: Musikalische Suche nach Rückzugsorten

Das Hamburger Electro-House-Duo über das neue Album „Optimism“ und den Einsatz von KI als Inspirationsquelle
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„Optimismus ist ein großes Konzept, aber etwas, das wir zurzeit bitter nötig haben.“ Das sagt Ismail „Isi“ Tuefekci vom Electro-House-Duo Digitalism über „Optimism“, den Titel des aktuellen Albums. Sofort fügt er im Gespräch mit dem KURIER hinzu: „Bei uns ist das aber keine politische Sache, keine Kritik oder Anleitung dazu, was zu tun ist. Das basiert auf dem Gefühl, dass wir Rückzugsorte brauchen, wo man positive Energie auftanken kann.“

Das zu kreieren, gelingt ihm und seinem Partner Jens Moelle mit dem Album hervorragend. Zu bewegenden Beats wiederholen sie mantraartig Parolen wie „Searching For A Better Place“ oder „City Of Love“. In den mehr an Storys angelehnten Texten lassen sie viel Raum für Interpretation, in „AOA (The Age Of Anyone)“ darf humorvoll formulierte Kritik mitschwingen. Letzteres, sagt Moelle, kann man darin sicher auch hören.

Aber: „Es ging uns mehr um die Freude darüber, wie die junge Generation Sachen anpacken wird, wenn sie das Ruder übernimmt. Isi kam mit dem Slogan ,kids on the rave‘ daher, und wir haben das weitergesponnen: Wie würden diese jungen Menschen außerhalb der Raves ein Land oder eine Stadt leiten? Es war erfrischend, sich das vorzustellen.“

Über allem steht für die beiden das Zusammenkommen, das immer mehr verloren geht. „Jens und ich kennen das aus dem Plattenladen, in dem wir uns kennengelernt haben“, erinnert sich Tuefekci. „Das war so familiär, wir haben uns lang mit den Kunden unterhalten und über die Zeit mit ihnen angefreundet. Das sind Bindungen, die geblieben sind. So etwas vergisst man nie. Man vergisst nur, neue derartige Momente zu schaffen, weil wir heute viel weniger spontan sind und alles durchgetaktet ist.“

KI nur als Inspiration

Ein Thema, das Digitalism (und vermutlich jeden Musiker) gerade beschäftigt, ist der Einsatz von KI. Das Duo verdammt sie nicht. Aber im Entstehungsprozess ihrer Musik spielt sie keine Rolle. Im Gegenteil: Die beiden haben auf ihrem neuen Album sogar Live-Drums verwendet, weil das einen lebendigeren Sound gibt.

„Wir sehen uns als Brücke zwischen der Electronic- und der Indie-Szene“, erklärt Tuefekci. „Und grundsätzlich finde ich es gut, sich jede neue Technologie unvoreingenommen anzuschauen. Natürlich müssen die Gesetze optimiert werden, wer was und wie abgegolten bekommt. Es gibt ja viele, die lassen sich von der KI Sachen erstellen, nehmen das aber nur als Inspiration. Das ist nichts anderes, als wenn ich Samples runterlade und verarbeite.“

Moelle dagegen findet das Thema KI beim Kreieren von Musik schon kontrovers: „Auf ,Optimism‘ ist überhaupt nichts von einer KI drauf. Wir verwenden sie manchmal für Bildbearbeitung oder Brainstorming. Dann geben wir Stichworte ein und schauen, was für einen Kontext das ergibt. Das hilft, um Konzepte zu einer Idee zu entwickeln. Aber wenn wir etwas haben wollen, das unserem Qualitätsanspruch gerecht wird, egal ob Musik oder Text, müssen wir es selbst machen. Das geht auch viel schneller, als wenn du ständig klischeehaftes KI-Material umbauen musst.“

Digitalism treten am 23. 10. im Flex in Wien auf.

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