Louis Begley

© APA/ERHARD HOIS

Literatur
06/21/2016

Dieser Superheld ist schwer auszuhalten

Warum riskiert der Louis Begley zum zweiten Mal sein großes Ansehen?

von Peter Pisa

Louis Begley wurde mit Romanen über die Probleme älter werdender Männer weltberühmt ("Schmidt").

Dass er jetzt zum zweiten Mal "billigere" Krimi-Unterhaltung mit einem jüngeren, kraftstrotzenden Kerl geschrieben hat, hängt angeblich damit zusammen:

"Ich lebe in einer Welt der 70- und 80-Jährigen, und ich bin ihrer ein bisschen müde geworden."

Begley ist 82.

Narbe auf Wange

"Zeig dich, Mörder" war im Vorjahr eine Überraschung. Das deutsche Feuilleton nahm sie ihm übel: Vom "Kasperletheater" war die Rede und von "Unprofessionalität".

Die amerikanischen Kritiker waren netter zu ihm.

Ein "literarischer Thriller" wurde geortet. Offensichtlich muss ein solcher in den USA nicht besonders spannend sein; und so gesehen, ist die Fortsetzung noch viel literarischer – einzig ein Paket von Amazon, das der Held zugeschickt bekommt, vermag etwas Spannung auszulösen.

Die Fortsetzung heißt "Ein Leben für ein Leben", was bisher geschah, wird anfangs erklärt. Es wurde nämlich ein Anwalt ermordet, der herausgefunden hatte, dass sein früherer Klient, ein Milliardär aus Texas, Terroristen unterstützt. Der Neffe des Toten, Jack Dana, hat daraufhin den Auftragskiller ins Haus gelockt, um sich zu rächen – weil "Das Gesetz ist ein Esel!"

Gern hätte man an eine Satire geglaubt, der Killer war ein Serbe, hatte tatsächlich eine Narbe auf der linken Wange und sagte Sachen wie: "Du Stück totes Fleisch, hör auf mit Scheiß!"

Besserer Martini

Ex-Anwalt Begley meinte es allerdings ernst und lässt nun Neffen Jack Dana zum zweiten Mal Supermann spielen. Dieser Rächer ist nämlich nicht nur ein Schöngeist, sondern auch Afghanistan-Veteran.

Er hat keine Angst und agiert wie James Bond. Wahrscheinlich mixt er auch einen besseren Martini.

Selbst ein Thriller-Spezialist wie Don Winslow hat zuletzt in "Germany" den Fehler begangen, einen zu coolen Typen agieren zu lassen. Winslows Irak-Veteran hat sich sogar ein Geschoß selbst aus der Stirn geschnitten, und das hält kein Leser aus.

Begleys Held holt sich jetzt den bösen Milliardär, weil der böse Milliardär weiterhin morden lässt, um seine terroristischen Verstrickungen zu vertuschen.

Zwischendurch isst er geschmorten Ochsenschlepp.

Kein Unterschied

Interessant, wie stolz Louis Begley verkündet hat: Ob er über ältere Leute und ihre Lebenslügen schreibe bzw. knallhartes Zeugs inkl. Selbstjustiz ... er mache da keinen Unterschied.

"Ich habe nicht viele Krimis und Thriller in meinem Leben gelesen. Aber ich habe jetzt diesen Protagonisten, und den mag ich mittlerweile sehr. Ich schreibe diese Romane genauso, wie ich jeden anderen Roman schreiben würde."

Und das geht nicht.

Das ist: stur.

Louis Begley:
„Ein Leben für ein Leben“
Übersetzt von Christa Krüger.
Suhrkamp Verlag.
300 Seiten.
17,50 Euro.

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