Velazquez

© /London National Gallery/Taschen Verlag

Ein Wunder der Schönheit
01/09/2015

Ein Wunder der Schönheit

Diego Velázquez – der Superstar des spanischen Hofes.

von Werner Rosenberger

Für den Franzosen Édouard Manet war Diego Velázquez (1599 – 1660) "der Maler der Maler", vor dem die anderen wie Fälscher erschienen.

Das Kunsthistorische Museum zeigt sein Gesamtwerk im Überblick noch bis 15. Februar in einer monumentalen Ausstellung, wie sie außerhalb Madrids noch nie zu sehen war: Ein halbes Hundert der kostbaren Bilder, vereint zu einem grandiosen Werkbericht.

Einige von Velázquez’ wichtigsten Werken, darunter die "Rokeby Venus", "Apoll in der Schmiede des Vulkan" oder die "Anbetung der Könige", die ergreifenden Bildnisse der Hofnarren wie "Don Juan de Austria" oder "Calabazillas" sind dabei erstmals in Wien zu sehen.

Ein Visionär

Im Museum wird mit unbezahlbaren Kunstschätzen – Leihgaben u. a. aus dem Prado in Madrid, von der National Gallery in London und dem Boston Museum of Fine Arts – gewuchert.

Im Druckwerk sind sie durchaus bezahlbar, sogar wohlfeil. Denn auch der Taschen Verlag widmet sich dem Gesamtwerk des Visionärs im goldenen Zeitalter Spaniens mit einen Prachtband: Großformatig, umfangreich und gewichtig. Nach reich bebilderten Werkverzeichnissen von Michelangelo, Leonardo, Caravaggio und Hieronymus Bosch hat der Verlag sich nun den spanischen Hofmaler und Meister des Porträts vorgenommen.

Der schuf Farb- und Lichteffekte, die in seiner Zeit als absolut neu galten und erst später von Impressionisten wie Manet wieder aufgegriffen wurden.

Auch die Herausgeber wollten Velázquez’ Malerei präsentieren, wie sie noch nie zu sehen war. Erstklassige Reproduktionen im Großformat zeigen jedes Detail, jeden Pinselstrich. Keinem Original im Museum könnte man so nahe kommen, ohne einen Alarm auszulösen.

Berühmter Rückenakt

Zum Beispiel der einzige erhaltene weibliche Akt von Velázquez, entstanden zwischen 1648 und 1651: Die Dame in Öl entspricht nicht dem damaligen Schönheitsideal, sie ist zu schlank. Durch Amor, der ihr den Spiegel vorhält, wird sie zur Göttin, genauer zur "Venus mit dem Spiegel" oder "Rokeby Venus". Und die gilt immerhin als berühmtester liegender weiblicher Rückenakt der Kunstgeschichte.

Zwischen Buchdeckeln wird ein fast physischer Eindruck von den Porträtierten, dem Spiel von Licht und Schatten auf ihrer Haut, dem Glanz der Seidengewänder und der Textur der kostbaren Stickereien vermittelt.

Stiller Beobachter

Die allerfeinste koloristische Delikatesse macht verständlich, warum Velázquez' Malerei Generationen von Künstlern inspiriert hat. So hatten die Ausdruckskraft, das Einfühlsame und die maltechnische Brillanz seiner Bilder großen Einfluss u. a. auf Goya, Delacroix, Whistler, Picasso, Dalí und Bacon.

Seine Farben ließen nicht nur Herrscher, sondern auch das Gesinde leuchten. Und so wird auch das Buch der Schönheit und Perfektion des Velázquez-Wunders gerecht. Denn ob die Infantin Margarita im weißen, blauen, grün-silbernen oder rosa-silbernen Kleid oder der Hofnarr mit dem Fabelnamen "Don Juan de Austria", ob Philipp IV. oder Leibeigene und der blinde Spaßmacher Calabacillas: Weder Claqueur noch Hofsatiriker, stets bleibt Velázquez der stille Beobachter, der alles sagt und nichts verschweigt.

KURIER-Wertung:

www.khm.atwww.taschen.com

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