Kultur
23.12.2017

Die Toten Hosen: Triumphzug bei ritualisierter Party

Die Düsseldorfer begeisterten in Wien 15.000 Fans mit einem fast dreistündigen Monsterprogramm.

Konzerte von den Toten Hosen sind eigentlich keine Konzerte. Nicht in dem Sinn, dass Musiker Zuschauern etwas vorspielen. Längst sind Shows der Düsseldorfer zu einem Ritual gewachsen, bei dem Band und Fans Anteil am Gelingen haben, eine ausgelassene Party, die man mit (vielen) Freunden zelebriert, bei der jeder seinen Part hat.

Das zeigt schon der Beginn der Show Freitag in der Wiener Stadthalle: Nach dem Pausensound ist erstmal Pause. Denn jetzt sind die Fans dran: Mit "You’ll Never Walk Alone", der Hosen-Hymne, rufen sie ihre Band auf die Bühne. Was dann kommt, ist ein Feuerwerk aus Hits wie "Bonnie & Clyde", "Altes Fieber" und "Hier kommt Alex" und Songs vom neuen Album "Laune der Natur" – abgeschossen mit höchster Professionalität: Die Band ist nach so vielen Jahren perfekt eingespielt. Die Songauswahl ist die ideale Mischung aus unbeschwertem Party-Punk, hymnischem Rock und nachdenklicheren Songs.

Verrückt spielen

Genauso trifft Sänger Campino in seinen Ansagen genau den richtigen Ton zwischen spaßiger Selbstironie, persönlichem Geplauder (darüber, wie sehr er die scharfe Wurst vom Würstelstand hinter der Oper liebt) und Botschaft. Vor "Europa" erinnert er daran, dass heuer schon wieder 2925 Menschen im Mittelmeer ertrunken sind – mehr als 2015.

Dann ist wieder das Publikum dran: Bei "Steh auf, wenn du am Boden bist" setzen sich (wirklich) alle nieder, um beim Refrain aufzuspringen und verrückt zu spielen, wie sie es Campino anfangs versprochen haben. Aber auch wenn viele Teile der Show seit Jahren gleich und ritualisiert sind, gibt es immer wieder Neues. Diesmal haben die Hosen Streicher mitgebracht, die bei "Nur zu Besuch" zum Einsatz kommen, später "Eine kleine Nachtmusik" und "Highway To Hell" anstimmen.

Aber was auch dieses Stadthallen-Konzert der Toten Hosen wieder großartig macht, ist die Energie, mit dem sich Campino ins Zeug legt, rennt, springt und singt. Es ist die Leidenschaft, mit der diese Band immer noch musiziert. "Tage wie diese", "Eisgekühlter Bommerlunder" – alles ist ein Triumphzug. Eh schon seit dem dritten oder vierten Song. Am Ende dauerte er fast drei Stunden – und hätte noch länger Riesenspaß gemacht.

KURIER-Wertung: