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Kultur
07/04/2022

"Die Tafelrunde" auf ORFIII: Höhenrausch mit Glückshormonen

Gerald Fleischhackers satirischer Monatsrückblick als Sommerspecial von Viktor Gernots Praterbühne.

von Werner Rosenberger

„Kabarett unter Sternen“ hat wieder Saison. Und „Die Tafelrunde“ ihr Freiluft-Comeback mit drei Sommershows auf der Praterbühne.

Bei der ersten TV-Aufzeichnung (auf Sendung morgen, Mittwoch, 21.55 Uhr, ORFIII) in schweißtreibender Gluthitze war es so heiß, dass sich Gerald Fleischhacker „Servietten unters Hemd geklemmt hat, weil ich Depp mir eingebildet hab’, ich muss im Anzug spielen“.

Jubiläum 50. Tafelrunde

Die Tafelritter zum Auftakt des Unterhaltungsreigens und zugleich zur 50. Ausgabe des ORF-Satire-Formats sind Gernot Kulis, Tricky Niki, Lydia Prenner-Kasper und Malarina.

Sie präsentieren humoristisch aufbereitet die spannendsten, absurdesten und bizarrsten Ereignisse von Gratis-Blockflöten für burgenländische Kinder über die Frauenfußball-EM – Gernot Kulis: „Gibt’s da auch einen Lattenpendler?“ – bis zum ultimativen Ende von „Kaufhaus Österreich“.

„Die Landeshauptleute treten momentan schneller zurück als man ‚Rechnungshof‘ sagen kann. In der ÖVP ist es schon fast so wie in der Gastro: Sie haben einfach keine Leute mehr“, lästert Fleischhacker und registriert weißen Rauch aus der Hofburg: Alexander Van der Bellen kandidiert wieder als Bundespräsi – und hat mit dem Erfinder der „Jörg Haider-Medaille“ von ehemals FPÖ/BZÖ Gerald Grosz und dem Vorsitzenden der Bierpartei Marco Pogo Konkurrenten. „Die ersten Slogans sind schon fertig: Dem Sascha geht die Düsn, kommt der Pogo mit der Hüsn.“

Gernot Kulis, Österreichs berühmtester Callboy, schildert, wie er am besten im Urlaub abgeschleppt wird. Tricky Niki erzählt bei seiner „Tafelrunde“-Live-Premiere, wie er sein Talent als Bauchredner im Flugzeug und bei Verkehrskontrollen einsetzt. Oder im Supermarkt: „Achtung, Achtung, es öffnet in Kürze Kassa 3.“ Was allgemein Verwunderung und totale Hektik auslöst, wenn es nur zwei Kassen gibt.

Lydia Prenner-Kasper weiß, wie man sich „mit Glückshormonen einen Höhenrausch beschert“, wie man sich etwa mit Serotonin in die Stratosphäre des Glücks befördert.

„Man wird gelassen und zufrieden, das geht ganz easy, wenn man im Sonnenschein pudelnackert während einer Tantra-Massage einen Fisch isst.“ Aber die Frage ist: Warum haben dann alle Leut’ so ein Gfries?

„Weil die Schönheit der Höhen im Aushalten der Tiefen liegt.“ Der Rat der Kabarettistin: „Vielleicht machen wir uns das Leben in manchen Bereichen lieber ein bisschen leichter. Vielleicht sind dann manche Dinge nicht so schwer, und die Glückshormone sprudeln.“

Malarina, heuer mit den Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet, zelebriert als Kunstfigur eine Art Ethno-Comedy als Mix aus Politsatire und Geschichte und karikiert die Balkanmentalität. Die Tirolerin mit serbischen Wurzeln und Wohnsitz in Wien, Marina Lacković, hat sich ein erfrischendes Sommerthema ausgesucht: Korruption.

„Korruption ist wie Religion in Serbien. Die Frage ist nicht, ob eine Regierung korrupt ist, sondern wie sehr im Vergleich zur Vorgängerregierung. Wenn ein Politiker bei uns nicht korrupt ist, dann glauben wir nicht, er ist anständig. Wir glauben, er ist schlecht vernetzt.“

Und dann fragt Malarina: „Jeder Drogendealer ist vorsichtiger als unsere Regierung, was ist da los? Ist Karl-Heinz Grasser seine Haftstrafe eigentlich schon angetreten? Wer denkt an die Umwelt – wie viele Bäume mussten für seine Anklageschrift ihr Leben lassen?“

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