Raffiniert: leise anklagende Papierblumen von Pille-Riin Jaik

© Akademie der bildenden Künste/LISA RASTL

Kunst
10/24/2019

Die Pappmaché-Steine aus der Märchenburg der Bildhauer

Die Akademie der bildenden Künste in Wien thematisiert in einer kunterbunten Schau die Bildhauereiklasse beim Prater.

von Thomas Trenkler

Im April 1877 bezog die Akademie der bildenden Künste das prächtige, von Theophil Hansen entworfene Gebäude. Doch bereits wenige Jahre später überlegte man einen Neubau auf der Schmelz – und Otto Wagner präsentierte zweimal, 1898 und 1910, seine Ideen für eine Pavillon-Anlage. Doch es kam nicht zur Realisierung. Zumindest für die Bildhauerei, zuvor im Unteren Belvedere untergebracht, wurde neue Ateliers errichtet – gleich beim Prater.

Die U-förmig um einen Innenhof angelegten Baukörper von Eduard Zotter aus 1912 hatten sich dem Stil der Cottage-Umgebung anzupassen, die Fassaden hatten efeubewachsen zu sein. Die Abgeschiedenheit bot alsdann fast paradiesische Möglichkeiten. Und jedes Jahr einmal, beim Akademierundgang (im Jänner), kann man diese Märchenburg besichtigen, in der Fritz Wotruba lehrte und Bruno Gironcoli hauste.

Die Geschichte der „Spezialschule für Bildhauerei“, so die einstige Bezeichnung, begann Lone Haugaard Madsen 2015 aufzuarbeiten, in der Folge gab es auch eine Lehrveranstaltung. Man wollte schon damals die Ergebnisse öffentlich präsentieren. Nun, mit viel Verspätung, kam es wirklich dazu – in den Ausstellungsräumen „X hoch E“ der Akademie in der Eschenbachgasse, die unter Johan F. Hartle, dem neuen Rektor, umbenannt werden sollen.

Klarerweise geht es in der kunterbunt zusammengewürfelten Schau „Spezialschule für Bildhauerei“ – zumeist – um eben diese. Die unbehauenen Steinblöcke des Innenhofs, stumme Zeugen der Vergangenheit, hat Florian Mayr naturalistisch mit Sperrholz und Pappmaché nachgebaut, um sie als „Display“ zur Verfügung zu stellen. Auf einem dieser Sockel liegen z.B. zwei Bettwärmesteine, die Tina Bepperling im Jahr 2000 ihrem Lehrer Michelangelo Pistoletto, der über Kälte geklagt hatte, zum Abschied schenkte. Zu sehen ist auch eine Papiersäulen-Skulptur von Heimo Zobernig, dem Nachfolger Pistolettos.

Fahrgeschäft-Skulptur

Um sich Leopold Kesslers coole Diplomarbeit „Akademiekabel“ aus 2004 und die anderen Videoarbeiten gemütlich anzuschauen, kann man sich auf einem der Holzsitze der Fahrgeschäft-Installation von Steffi Alte niederlassen, die auf eine sympathische Art die Verbindung zwischen Prater und Skulptur herstellt.

Raffiniert sind auch die Papierblumen von Pille-Riin Jaik, hergestellt aus fotokopiertem Archivmaterial über die in der Monarchie vergeblichen Versuche von Frauen, zum Studium zugelassen zu werden. Als passende Ergänzung dazu gibt es eine skulpturale Soundinstallation von Jessyca R. Hauser zu sehen und zu hören. Bis 14.12.

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