Filmhaft wird die Nacherzählung auch durch die Illustrationen Robert de Rijn, die sich durchs ganze Buch ziehen

© /Robert De Rijn / Reclam

Der Drachentöter sieht wie der kleine Tom Cruise aus
12/19/2014

Der Drachentöter sieht wie der kleine Tom Cruise aus

Braucht jemand die Nacherzählung des Heldenliedes? Ja, denn endlich kommt Blödel zur Geltung.

von Peter Pisa

Wo "Nibelungen" draufsteht, ist jetzt Heinrich Steinfest drinnen.

Der Schriftsteller – geboren in Australien, aufgewachsen in Wien 10, geflüchtet nach Stuttgart – hat die bedeutendste Heldendichtung des Mittelalters nacherzählt bzw. neu erzählt – so in der Art: Ein Mensch unserer Zeit wird in den Nebel zurückversetzt, er durchschaut, er erlebt, beschreibt und kommentiert.

Erschlankt

Braucht das jemand?

"Die Welt braucht doch immer einen neuen Blick auf alte Dinge", sagt Heinrich Steinfest im KURIER-Gespräch.

"Entstaubung, Politur, frischen Glanz in sprödes Haar, neue Muskeln auf alte Knochen, Erschlankung. Und dazu ein paar Fragen, die bisher vielleicht noch nicht gestellt wurden."

Das Buch "Der Nibelungen Untergang" ist keine Parodie und keine bloß inspirierte Blutoper. Steinfest folgte der St. Galler Fassung (eine von 35 Handschriften). Nichts durfte hinzugefügt und nichts unter den Tisch gelehrt werden.

So lautete der Auftrag des Reclam Verlags.

"Das war natürlich eine große Einschränkung, an der ich aber nach und nach meine große Freude hatte."

Denn "der Stoff ist ja nicht ohne. Und die Schizophrenie in den Handlungen der Akteure, dieses ständige Unbefriedigtsein, Weiterkämpfen, Weitermorden, die neuen Intrigen, der neue Betrug ... das alles erschien mir ja recht heutig."

Für den 53-Jährigen ist Siegfried entgegen dem herrschenden Bild vom blonden Hünen ein kleiner Mann, der sich groß macht.

Er mag sich ihn als Tom Cruise vorstellen.

Idiotisch

Sympathischer ist ihm allerdings Hagen, in dem er einen Basketballer erkennt.

Übrigens sieht die Hölle für Steinfest wie ein überheiztes Wiener Kaffeehaus aus.

Am allerliebsten ist ihm Etzels Bruder, der heißt Blödel: "Ich will nicht so tun, als würde die deutsche Version dieses Namens – Blödel, auch Blödelin, lateinisch heißt er einfach Bleda – mir über die Zunge gehen ohne ein bubenhaftes Grinsen. Man kann sich diesen Mann einfach nur mit einem idiotischen Ausdruck vorstellen. Mancher Name schafft ein Gesicht."

Heinrich Steinfest war heuer mit "Der Allesforscher" ins Finale um den Deutschen Buchpreis gekommen: Ein toter Wal explodiert, ein Bademeister rettet eine Ente vor dem Ertrinken ...

Schon im März folgt die Geschichte vom grünen Rollo, also dem Sonnenschutz am Fenster, aus dem winzige Männer durch Feldstecher ins Zimmer schauen. Gearbeitet wird zurzeit am Roman, in dem der Inzersdorfer Friedhof eine Hauptrolle spielt, "wo auch ich unterkommen werde."

KURIER-Wertung:

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