Zwischen Tradition und Moderne: Wagners „Meistersinger“ in der Regie von Intendant Gustav Kuhn.

© /Xiomara Bender

Von der ewigen Suche nach der Zukunft
07/12/2015

Von der ewigen Suche nach der Zukunft

Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg" bei den Tiroler Festspielen Erl.

Spätmittelalterlich anmutende Hosen- und Wamskonfektion samt pompösen Halskrausen, abenteuerlichen Baretten und Kaufmannshüten: Die Kostüme von Lena Radecky beleben aber nicht nur das spartanisch gehaltene Bühnenbild (Jaafar Chalabi), sondern sind auch zentraler Bestandteil der Inszenierung von Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg" in Erl.

Denn sie werden im ständigen Disput zwischen Althergebrachtem und der Öffnung nach Neuem je nach Stand der Diskussion mit heutiger Straßenkleidung gewechselt. Der Erste, der sie sich vom Leibe reißt, ist Walter von Stolzing, ein Revoluzzer. Auch Hans Sachs trägt seine alte Kluft meist nur überm Arm.

Zukunft ohne Altlasten

Auf der Festwiese, wenn Walter sein Preislied anstimmt, reißen sich überhaupt alle ihre alten Kostüme vom Leib und werfen sie weg: Die Zukunft braucht keine Altlasten. Sachs ist als Poet ganz ohne Schuhwerk gezeichnet, das vom Publikum rein metaphorisch zu sehen ist. Im Gegensatz zum vortäglichen "Tristan" ist diesmal in Erl insgesamt mehr Lebendigkeit zu spüren.

Wie gewohnt im Passionsspielhaus befindet sich das immer anwesende, steil ansteigende Festspielorchester im Hintergrund. Das Orchester auf der Bühne ist eine Idee, die schon Richard Wagner hatte. Hier jedoch aus der Not geboren, denn das Passionsspielhaus war nie als Opernhaus konzipiert und verfügt über keinen Graben. Unter Gustav Kuhn, wie gewohnt in Personalunion auch sein eigener Regisseur, wird diesmal in ausbalancierter Dynamik zu den Sängern und mit kammermusikalischer Transparenz und Präzision musiziert.

Durch diese, bereits mehrfach akustisch erprobte Positionierung wird im Gegensatz zu "Tristan und Isolde" vom Vortag die Hörbarkeit und Verständlichkeit der Sänger verbessert: Ferdinand von Bothmer ist trotzdem ein zu lyrischer Walther von Stolzing mit einem für diese Partie viel zu kleinen Tenor. Innig phrasierend, jugendlich und sauber hört man die Eva der Joo-Anne Bitter.

Monsterpartie

Michael Kupfer-Radecky ist ein zutiefst menschlicher Hans Sachs. Mit seinem weichen und warmen Timbre singt er die Monsterpartie wunderbar und hat auch am Ende noch genügend Reserven. James Roser ist ein idealer Beckmesser, Iurie Ciobanu ist ein toller lyrischer David mit herrlichen Kantilenen, Anna Lucia Nardi eine exquisite Magdalena.

Auch alle kleineren Rollen sind passend besetzt. Hervorstechend Michael Mrosek, schon am Vortag als Kurwenal zu erleben, als kraftvoller Fritz Kothner und der Veit Pogner des Giovanni Battista Parodi. Stimmgewaltig: Der Chor. Jubel!

KURIER-Wertung:

Von Ingeborg Muchitsch

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