Die "Leider-Nein"-Schriftsteller

"Das habe ich im Koma gedichtet - Autoren, die die Welt zum Glück nie lesen musste"
Foto: Bassermann Verlag

Neu in den Buchhandlungen: Unverlangt eingesandte Manuskripte bzw. Autoren, die die Welt zum Glück nie lesen musste.

Von Castingshows kennt man das ja: Die "Leider nein"-Sänger sind traurig, aber eigentlich das Beste. Jetzt kommen die "Leider nein"-Schriftsteller. Ilse zum Beispiel. Sie gehört zu jenen, die "unverlangt eingesandte Manuskripte" produzieren. Verlage bekommen täglich zwischen zehn und 30 Texte ins Postkastl. Ilses Schreiben begann so: "Ich bin die Sekretärin eines bedeutenden Engels, der schon in der Bibel wiederzufinden ist ..."

Oder Julia: Sie bot "Bidet in Begonien" an, ohne es näher auszuführen. Man grübelte, ob sie vielleicht Patagonien meinte - einen Roman über ein Bidet in Patagonien, der hätte Potenzial. Vielleicht.

Ein Briefschreiber stellte sich als "literarischer Agent" vor, spezialisiert auf "Sechs und Erotik". Sein Angebot lautete: "... kaum riß sie ihm gierig den Reißverschluß auf, da schnellte sein mächtiger Kolben wie von einer Stahlfeder getrieben empor ... schon ließ sie ihre geschickte Zunge darauf Polka tanzen." Das also ist Sechs.

Schwerkraft

"Das habe ich im Koma gedichtet" heißt die Sammlung, in der Autoren zu Wort kommen, die die Welt zum Glück nie lesen musste. Erschienen im Bassermann Verlag und nur 5,20 Euro teuer. Sammler und Kommentator ist Rolf Cyriax, ehemals Lektor der Verlage Kindler und Blessing.

Warum Peter Wichmann sein "Co." ist, ist wie so vieles in der Welt undurchsichtig, denn Wichmann ist Anwalt und Fachautor für Fernwärmeversorgung. Am alarmierendsten bei den im Buch vorkommenden Amateurschreibern ist nicht, dass mitunter das Wort Grafik als "Kraafik" auf dem Papier landet. Und nicht, dass derart viele in ihren Schriften zu wissen glauben, wo Gott wohnt ("Gott ist die Schwerkraft"). Sondern der Größenwahn, der aus den Briefen spricht. Selbst Meister wie Günter Grass kommen sich nicht so wichtig vor.

"Drucken Sie als Erstauflage 1 Mio Exemplare", wird da gefordert. Oder: "Es handelt sich um das wichtigste, bedeutungsvollste Werk, das jemals geschrieben wurde und künftig geschrieben werden kann. Eine möglichst schnelle Publikation ist deshalb erforderlich."
Ein lustiges Buch, das allerdings Angst macht.

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(kurier) Erstellt am
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