© Vereinigte Bühnen Wien/Herwig Prammer

Kammeroper
10/27/2021

„Die ewige Schuld, der man nicht entkommen kann“

Georg Zlabinger über „The Lighthouse“ von Peter Maxwell Davies

Diese Geschichte hat es in sich. Sie könnte von Alfred Hitchcock stammen, hat aber einen wahren Hintergrund. Auf der Insel Eilean Mòr im Nordwesten Schottlands verschwanden im Dezember 1900 drei Leuchtturmwärter. Drei Offiziere, die den scheinbar eilig verlassenen Turm leer vorfanden, mussten vor Gericht, wurden aber freigesprochen.

Der Komponist Peter Maxwell Davies (1934–2016), der das Leben auf einer stürmischen Insel kannte – er wohnte auf einer der Orkney-Inseln – entdeckte in dem Stoff das Potenzial für eine Oper. „The Lighthouse“ wurde 1980 beim Edinburgh Festival uraufgeführt.

Nach Benjamin Britten ist Davies einer der herausragendsten Tonschöpfer des Vereinigten Königreichs. In der Wiener Kammeroper, der kleinen Filiale des Theaters an der Wien, nimmt sich nun der Regisseur Georg Zlabinger den Stoff vor.

Für Davies war die Lösung des Falles relativ einfach: einer der Männer sei von einer gigantischen Welle erfasst worden, als er ins Freie trat, die anderen wollten ihn retten und kamen um.

Das hatte Davies in einem BBC-Interview erklärt.

Aufwühlende Musik

Zlabinger sieht es anders. Denn Davies hatte sein Werk mit einer ausgeklügelten Symbolik aufgeladen: „Dem Stück ist die Tarot-Karte des Turms zugrunde gelegt. Die trägt die Nummer 16. Daraus errechnet Davies die Quersumme sieben, und aus der Zahl erarbeitet er die Reihe für seine Komposition.“

Das klingt kompliziert, muss man aber auch nicht weiter entschlüsseln. Es reicht, der kompromisslosen, verstörenden, aufwühlenden Musik zuzuhören.

Der Turm stehe in der Tarot-Deutung auch „für ein gedankliches Gefängnis. Das fand ich so interessant. Der Leuchtturm wird zur Metapher für den Ort einer Schuldbewältigung oder Gewissensbefragung“, so Zlabinger.

„Man sieht drei Menschen zu, die mit sich selbst oder mit dem, was sie erfahren haben, was sie an Lebensträumen nicht verwirklichen konnten, nicht zurechtkommen. So geraten sie in Extremsituationen.“

Düstere Realität

Erinnert dieses Auf-sich-Zurückgeworfensein nicht auch an unsere düstere Realität der vergangenen Monate?

Zlabinger: „Nach den monatelangen Lockdowns sieht man dieses Eingesperrtsein ganz anders. Das ist keine Geschichte von drei Menschen auf einer Insel, die mit uns nichts zu tun hat. Diese Situation ist uns durch unsere jüngsten Erfahrungen sehr nahe.“ Aber das werde er nicht in seine Inszenierung einbauen.

„Ich bin bei meiner Regiearbeit kein Freund von zwingender Modernisierung, ich schätze das Abstrahieren. Darin findet man das Bedeutungspotenzial von damals. Und das passt heute so wie damals.“

Nachsatz: „Es geht um die ewige Schuld, der man nicht entkommen kann.“

Die Aufführung in der Kammeroper ist eine doppelte Premiere für den Mann, der übrigens als Bariton im Wiener Singverein aktiv ist.

Zum ersten Mal arbeitet er mit seinen Brüdern. Michael dirigiert, Martin fertigt die Ausstattung.

Und Georg Zlabinger stehen noch weitere Aufgaben bevor. Etwa eine Assistenz bei Martin Kušejs „Tosca“ am Theater an der Wien und die Inszenierung von „Don Giovanni – Last Minute“ an der Kammeroper.

Von Susanne Zobl

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