Kultur
12.01.2018

Die erste Satire über Trump

Buchumschlag (Auschnitt), Zeichnung von Chris Riddell © Bild: Verlag

Der britische Booker-Preisträger Howard Jacobson ist gnadenlos zum US-Präsidenten.

Normalerweise braucht der Engländer Howard Jacobson Monate, bis er sich für einen Titel entschieden hat.

Nicht bei Trump.

Als er sich bald nach dem Wahlsieg entschloss, über den neuen US-Präsidenten einen Roman zu schreiben, dauerte es bloß Sekunden. Jacobson schrie: "Pussy!"

Da war es plötzlich sehr still in seinem Haus und man kannte sich nicht aus.

Eine Überraschung: Die erste große Satire über Trump stammt von einem höchst angesehenen Schriftsteller, vom 75-jährigen Booker-Preisträger aus Manchester, der zuletzt Shakespeares "Kaufmann von Venedig" modernisiert hat.

Anti-Charisma

"Pussy" ist gnadenlos, ein Racheakt ... wobei zu vermuten war, ein Trump sei unmöglich zu persiflieren, er bewege sich jenseits aller Satire-Möglichkeiten. Falsch. Es funktioniert. Es amüsiert.

Jacobson ärgert sich , dass "diese dümmste Person es fertigbrachte, die Aufmerksamkeit der ganzen Welt zu erregen." Das sei der Anti-Charisma-Faktor:

Man schaut Trump im Fernsehen zu, weil man nicht verstehen kann, wieso man ihm im Fernsehen zuschaut.

Das vor einer Woche in den USA erschienene Insider-Buch "Fire and Fury" des Journalisten Michael Wolff bietet vergleichsweise weniger Überraschendes. (Der Rowohlt Verlag lässt es übrigens schnellstens übersetzen, schon für den 19. Februar ist die deutsche Ausgabe geplant.)

Der Roman beginnt in der Jugend des Fürstensohns von Urbs-Ludus, das ist das von einer Mauer umschlossene Amerika. Der Kleine heißt Fracassus, auch an den Zeichnungen Chris Liddells (siehe links) lässt sich erkennen, wer gemeint ist.

Die Eltern merken bald, dass Fracassus ein Idiot ist, der sich einbildet, bereits alles zu wissen. Er schaut ja eh Pornofilme. Fracassus bekommt zwei Privatlehrer, die seinen Wortschatz erweitern sollen – was sich später beim Twittern nicht sonderlich bemerkbar macht.

Fragt ihn jemand nach einer anderen Bezeichnung für "Frau", so fällt ihm sofort das P-Wort ein. Bei Nachfrage antwortet er sogar noch: "Prostituierte."

Er wird seinen Weg machen. Die Internet-Plattform "Brightstar" unterstützt ihn – nativistisch, homophob, konspirationsaffin, völkisch ... und weil niemand diese Begriffe versteht, hat auch niemand Bauchweh.

Das Geheimnis guter Staatsführung? Fracassus/Trump wird es verraten:

"Halte nie deine Versprechen ... Um in der Politik Erfolg zu haben, muss man standhaft sein. Ist man halbherzig, scheitert man. Einem halbherzigen Lügner verzeiht das Volk nicht ... Aber wenn sie wissen, dass man ein Lügner durch und durch ist, und du ihnen zeigst, dass du weißt, dass sie wissen, dass du einer bist, dann können sie dir vertrauen."

Was Jacobson aufregt: dass es so viele Menschen gibt, die etwas sehen, das es nicht zu sehen gibt. Größe zum Beispiel. Und Tugend. Und etwas Neues. Aber das ist ein weltweites Phänomen.

Howard Jacobson:
„Pussy“
Übersetzt von
Johann Christoph Maass.
Illustriert von Chris Riddell.
Tropen Verlag. 272 Seiten.
16,50 Euro.

KURIER-Wertung: ****