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Kultur
04/08/2019

Die erste Adresse für das Fin de Siècle

Die neue Dauerausstellung des Leopold Museums setzt die Epoche "Wien 1900" gekonnt in Szene

Der gelernte Wiener, die gelernte Wienerin hat zur Epoche „Wien um 1900“ wahrlich schon viel gesehen. Doch die Momente, in denen sich der eine, große Überblick bot, waren in der Museumslandschaft doch erstaunlich rar gesät. Dem hilft nun die neue Dauerpräsentation des Leopold Museums ab: Unter dem Motto „Wien 1900 – Aufbruch in die Moderne“ ist auf drei Ebenen des Hauses ein hervorragender Parcours gelungen, der nicht mit Effekten spart, aber nie billig wirkt; der viel Wissen bündelt, aber nie bloß belehrend anmutet. Gedankt ist dies dem Reichtum der Leopold-Sammlungen, die noch mit interessanten Privat-Beständen ergänzt wurden und auch für hartgesottene Museumsbesucher so manche Überraschungen bereit halten. Bei der Konzeption stützte sich Direktor/Kurator Hans-Peter Wipplinger auf einen Pool an Expertinnen und Experten.

Derart auf den Schultern von Riesen stehend, gelang es Wipplinger, eine beglückende Klarheit in die Räume zu bringen. Hauptwerke sind durch ihre Platzierung sofort als solche zu erkennen. Oft sind sie mit flankierenden Bildern zu Trios gehängt, die das Spektrum eines Werks erfassen lassen: Das ist bei Klimt und Schiele der Fall, aber auch bei Albin Egger-Lienz oder Hans Makart.

Da „Wien um 1900“ eine Vor- und Nachgeschichte hat, sind die Räume atmosphärisch divers gestaltet: Verbreiten am Beginn noch Wandvorhänge die Salon-Atmosphäre des 19. Jahrhunderts, verdeutlichen im mittleren Geschoß kleine Wohn-Ensembles zu Otto Wagner, Adolf Loos oder Kolo Moser die Idee, dass die Kunst alle Lebensbereiche erfassen sollte.

Pflicht und Kür

Zum „Pflichtprogramm“ um die großen Heroen der Wiener Moderne gesellen sich noch weitere Themenräume, die durchaus frische Perspektiven eröffnen – etwa einen Saal zur Rolle von Tanz und darstellender Kunst oder eine umfassende Passage zur Musikavantgarde jener Zeit.

Richard Gerstl und Arnold Schönberg heißen hier die zentralen Protagonisten, die Räume, die sich Schönbergs Werk als Maler widmen – und gefühlsmäßig zu üppig ausgefallen sind – werden im weiteren Verlauf durch eine Präsentation zu Oskar Kokoschka (siehe oben) ersetzt.

Als „One-Stop-Shop“ zur Wiener Moderne ist die Präsentation damit nicht nur für Touristen attraktiv. Das letzte Kapitel, das sich der Zwischenkriegszeit widmet, gibt auch weniger bekannten Malern wie Albert Birkle oder Rudolf Wacker ein Podest. Sehr wichtig ist auch, dass die Schau in einem Gedenkraum zur „Vertreibung der Intelligenz“ ab 1938 endet: Denn die Wiener Moderne ist leider nichts, womit sich Österreich ohne Wenn und Aber schmücken kann.

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