Premier Johnson dreht der BBC symbolisch den Hals um.

© EPA/STEFAN ROUSSEAU/PRESS ASSOCIATION/POOL / POOL

Kultur
02/17/2020

Johnsons Pläne für die BBC: Öffentlich-rechtliches Netflix statt Grundversorger

Der britische Premier Boris Johnson will der BBC die Gebühren streichen. Ein geplanter Todesstoß.

Die Strecke zwischen Sinn und Unsinn ist in der Medienpolitik oft denkbar kurz. Eine Analyse des angesehenen Reuters Institute in Oxford über das Medienverhalten der Briten bei der jüngsten Wahl förderte diese Woche zutage, dass die gute, alte BBC vor allem eines ist: Hoch angesehen. Die Forscher sahen sich an, wo sich die Wähler ihre Informationen über den Kampf zwischen Jeremy Corbyn und Boris Johnson holten und siehe da: Die BBC lag mit 44 Prozent Nutzeranteil allen voran.

Höchste Zeit also, diese goldene Gans zu schlachten? So will es der Wahlgewinner und heutige Premier, Boris Johnson. Der hatte im Wahlkampf bereits angekündigt, die Gebühren, mit denen sich die BBC finanziert, zu streichen.

Netflix statt Versorger

Nun will sein Kabinett zur Tat schreiten, wie die Sunday Times in einer viel beachteten Coverstory enthüllte: Das Büro Johnson ließ sich dort mit dem Plan zitieren, der BBC künftig ein Abo-Modell vorzuschreiben. Öffentlich-rechtliches Netflix also statt Grundversorger im Nachrichtengeschäft.

Die seit 1926 in dieser Form bestehende British Broadcasting Corporation gilt als Mutter aller öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Sie war auch ein Vorbild für die Gründung des ORF, der ebenfalls über Gebühren finanziert wird. Dieses Modell ist in der jüngeren Vergangenheit aber immer stärker in die Kritik geraten. Für die BBC hat die Ankündigung Johnsons keine unmittelbaren Folgen, sie ist aber Teil eines wegweisenden Matches zwischen dem Populisten und der mächtigen Medieninstitution. Die Finanzierung ist in einer königlichen Charta festgeschrieben, die in dieser Form bis 2027 gilt.

Dennoch: Die politische Absicht ist klar formuliert: Die BBC soll kleiner werden, Sender verkaufen und auch online ihren Auftritt verschlanken. Die BBC finanziert sich zu 75 Prozent aus den Gebühreneinnahmen, fast 3,6 Milliarden Pfund im Jahr. Und: Die BBC erreicht jede Woche mehr als 420 Millionen Menschen weltweit. Es ist offenbar höchste Zeit, sie schlachten.

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