© Stephan Boroviczeny

Kultur
04/30/2012

Dichter-Treffen in London

Evelyn Schlag vertritt Österreich beim größten Dichter-Treffen anlässlich der Olympischen Spiele in London.

von Peter Pisa

Evelyn Schlag ist sportbegeistert. Das fiel spätestens auf, als sie dichtete:
Ich finde, bringen tut’s der Arsch. Wenn er sich bückt, Wenn er den Ball hinlegt. Moment, die Nudeln kochen.
Im KURIER-Gespräch, kann sie sich leider nicht mehr erinnern, welchen „individuellen Arsch“ sie damals beim Schreiben vor Augen gehabt hat. Evelyn Schlag, die preisgekrönte Lyrikerin aus Waidhofen an der Ybbs, wird Österreich bei den Olympischen Spielen in London vertreten. Sie tritt dort u.a. gegen den irischen Literatur-Nobelpreisträger von 1995 Seamus Heaney an. Heaney hatte einmal eine Fußballszene im Dorf beschrieben (um danach die anderen Markierungen im Leben zur Sprache zu bringen): Wir markierten das Spielfeld: vier Jacken als vier Torpfosten, Das war alles.
Parnassus In London findet vor den Sportveranstaltungen Ende Juni/Anfang Juli ein internationales Dichter-Treffen statt. Das größte in der Geschichte, „Poetry Parnassus“ genannt: nach dem zentralgriechischen Gebirge, wo die Göttinnen der Künste sitzen.
Jedes der 204 Länder, die Olympia-Teilnehmer schicken, darf auch einen Poeten namhaft machen. Rund 150 haben bis jetzt zugesagt. Noch fehlen Vertreter von Papua Neu Guinea, Burkina Faso, Liechtenstein ...
Ein ehemaliger Revolutionär der Sandinisten Nicaraguas wurde vom Komitee der Kultur-Olympiade eingeladen; der frühere Hofdichter Kim-Il-sungs (er flüchtete nach Südkorea), der kambodschanische Dichter und Tattoo-Künstler Kosal Khiev (er flüchtete in die USA) ...
Für das Austragungsland startet die gefeierte Jo Shapcott, die z.B. aus Rainer Maria Rilkes französischer Lyrik englische Versionen gedichtet hat. Zu Beginn wird ein Hubschrauber 100.000 Gedichte regnen lassen. In 50 Sprachen wird man lesen, für manche Dialekte – etwa Wolof aus Gambia und Amharic aus Äthiopien – werden noch Übersetzer gesucht.

Keine Medaillen

Ein Wettlesen ist das nicht. "Es werden", so Evelyn Schlag, "keine Vershochsprünge bewertet. Es werden auch keine Alexandriner gestemmt." Es werden keine Medaillen vergeben wie zuletzt 1912 bis 1948. Auch darf das Publikum während der vielen Lesungen und Diskussionen durchaus aufstehen und zum Beispiel das WC aufsuchen; was Kaiser Nero, dessen Darbietungen in Griechenland jeweils fünf, sechs Stunden gedauert haben, verboten hatte. Die Gedichte müssen mit Sport nichts zu tun haben. Glaubt Evelyn Schlag – deren Roman "Die große Freiheit des Ferenc Puskás" über Ungarn-Flüchtlinge kürzlich bei Zsolnay erschienen ist. Sie nimmt jedenfalls trotzdem ihre Hymne an die britische Marathonläuferin Paula Radcliffe mit; geschrieben, als sie 2004 Siegerin in New York war: guten tag paula radcliffe. born in a blizzard.

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