Kultur
19.08.2017

Der Tote muss noch etwas nachholen

"Das Glück ist ein Vogerl": Gute Unterhaltung mit Ingrid Kaltenegger und unerfüllten Träumen

Erster Gedanke nach "Das Glück ist ein Vogerl": Ein paar Wochen früher hätte der Roman erscheinen sollen, nicht erst jetzt, Mitte August.

Diese Liebesgeschichte, die heiter bleibt, obwohl sie tödlich ist, hätte das Zeug dazu gehabt, zum meistgelesenen Buch auf den Stränden zu werden; vor allem bei Frauen ... und Männern, die etwas "weicher" sind als Rocker von Hells Angels.

Gedanke Nr. 2: Das würde eine schön altmodische amerikanische Filmkomödie ergeben. Könnte James Stewart den Egon spielen?

Egon liest in den Salzburger Nachrichten vom 85. Geburtstag der Amalia Hirsch in der Seniorenresidenz Amadé. Nach ihr hatte er sich 65 Jahre gesehnt! Er konnte Amalia nicht mehr ausfindig machen.

Als 18-Jähriger, nach dem Krieg, hatte er sich zu feig und zu arm für eine feste Beziehung gefühlt.

Kein Rockstar

Jetzt setzt sich der Wiener aufgeregt ins Auto, rast nach Salzburg – und fährt bei Rot in eine Kreuzung. Ein Lastwagen tötet ihn.

Um Amalia trotzdem noch sagen zu können, dass sie seine größte Liebe war, macht sich der Verstorbene einem Lebenden sichtbar, Josef ist der Auserwählte.

Josef ist auch so einer, der sich seinen Lebenstraum nicht erfüllt hat: Gern wäre er Rockstar geworden. Er wurde Gitarrelehrer.

Wir kürzen ab: Josef und der Geist gehen zu Amalia. Josef soll Sprachrohr des Toten sein. Aber Amalia ist mittlerweile ins Koma gefallen.

Und es geht munter weiter – wie weckt man Amalia? Und wie weckt Josef die Liebe zu seiner Ehefrau? Es gibt Lebensberatung für alle ... und schöne Strümpfe für die Komapatientin.

Klar kann man jetzt milde lächelnd über die Bemühungen um Originalität sagen: Na wusch. (Oder so ähnlich.)

Aber "Das Glück ist ein Vogerl" der in Köln lebenden Salzburgerin Ingrid Kaltenegger ist sympathische Unterhaltung. Das muss man erst zusammenbringen.

Und dass im Buch ein Lachen behutsam in die Hände genommen und geküsst wird – naja, da muss man halt durch.


Ingrid
Kaltenegger:

„Das Glück ist ein Vogerl“
Hoffmann und Campe.
304 Seiten.
22,70 Euro.

KURIER-Wertung: ****