Kultur
30.09.2017

Der Lemming kommt mit vielen Vögeln zurück

Stefan Slupetzkys alter Serienheld gibt sein Comeback, leider merkt man nicht, dass er Wiener ist.

Na gut, sagen wir: Es war notwendig, dass jetzt in der Literatur ein Graupapagei kommt, ein Männchen, und dauernd kreischt: "Meine Eier! Meine Eier!"

Seine Besitzerin geht deshalb zur Tierärztin. Denn "was sollen die Nachbarn denken?"

Die Tierärztin empfiehlt, auch einen weiblichen Papagei zu kaufen. Dann bekommt der "Eier"-Ruf vielleicht einen anderen Sinn.

Tierärztin Klara ist die Ehefrau jenes Mannes, der als Lemming in die Wiener Kriminalgeschichte eingegangen ist. Kommissar war Leopold Wallisch, verspottet von seinem fiesen Chef – der Nagetierspitzname sollte sagen: Feig sei der Lemming, nur ein dummer Mitläufer ...

Aber das war er nicht. Er hat in den vier Romanen zwischen 2004 bis 2009 zum Beispiel mutig und klug den Ritualmord an einem Königspinguin geklärt.

Linie D

Lemming ist zurück.

Acht Jahre nach "Lemmings Zorn". Denn auch für den Wiener Schriftsteller und Illustrator Stefan Slupetzky war der Papagei und dergleichen notwendig:

Nach seiner eigenen Familiengeschichte "Der letzte große Trost" über einen Verwandten, der Zyklon B produzierte, "war mir wieder nach Humor und Spannung."

Beides hat Slupetzky noch immer gut drauf, es hält sich halbwegs die Waage, und es sind schöne Ideen dabei, sodass es sich geheimnisvoll zusammenfassen lässt: Mit Theo, dem Straßenbahnfahrer der Linie D, kommt man bis nach Mauritius.

Dieser Straßenbahnfahrer ist ein Verwandter vom Lemming (der in Schönbrunn als Nachtwächter arbeitet) und ist ganz verschossen in einen Fahrgast. Er muss zuschauen, wie diese Frau bei der Haltstelle Augasse in ein Auto gezerrt und entführt wird. Zuvor wurde ein Journalist umgebracht.

Dodo

Viele schräge Vögel treten auf, nicht nur der Papagei, auch der Polizist Polivka, der in Slupetzkys Roman "Polivka hat einen Traum" (2013) mit seinem Hang zu Gurken auffiel.

Aber der interessanteste Vogel ist der Dodo, der von Menschen ausgerottet wurde, aber man weiß ja nie.

So. Genug. Es wird leider nicht "Österreichisch" gesprochen. Immerhin wird geschüttelt in "Die Rückkehr des Lemming". Stefan Slupetzky ist ein großer Schüttelreimer. Sprachliche Bonmots streut er mit Bedacht ein. Aber es ist tröstlich:

Ein zarter Schlummerkuss

macht mit jedem Kummer Schluss.

Stefan Slupetzky:
„Die Rückkehr
des Lemming
rororo.
256 Seiten.
10,30 Euro.

KURIER-Wertung: ****