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Kultur
02/19/2019

Der "küssende Seemann" und weitere Ikonen der Fotografie

Im Zeitalter der ständigen Bilderflut sind einzelne, bewegende Fotografien seltener und vertrauter zugleich geworden.

Der "küssende Seemann" vom Times Square, das weinende Mädchen von Saigon und der zweite Mann auf dem Mond - Bilder, die die Welt im 20. Jahrhundert prägten und es bis heute tun. George Mendosa, der bei der Siegesfeier zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 einfach eine Krankenschwester küsste, ist nun verstorben. Sein Foto bleibt jedoch als Ikone des kollektiven Gedächtnisses bestehen, die sich verselbstständigt und außerhalb ihres Kontextes stehen kann.

Solche Bilder gab und gibt es schon seit Anbeginn der Fotografie immer wieder. Bilder, die einen Moment festhalten und doch als Aussagen über ein ganzes Zeitalter verstanden werden können.

Das erste Foto der Welt

Joseph Nicéphore Niépces Blick aus dem Arbeitszimmer in Le Gras. Mit der Camera obscura und einer Beschichtung aus lichtempfindlichem Asphalt, gelang es Niépce 1826, das erste lichtbeständige Foto der Welt aufzunehmen. Die Belichtungszeit bei der Technik der "Heliografie" betrug acht Stunden.

Das erste Foto eines lebenden Menschen

Dieses Foto des Boulevard du Temple in Paris, gilt als erste Aufnahme eines lebenden Menschen. Es zeigt eine belebte Straße, doch da sich der Verkehr zu schnell bewegte um bei einer Belichtungszeit von über zehn Minuten erfasst zu werden, wirkt die Straße gänzlich verlassen. Die Ausnahme sind zwei Männer (unten links), die lange genug still standen, weil der eine dem anderen die Schuhe poliert. Der Fotograf, Louis Daguerre, der seine Technik (Daguerrotypie) nach sich selbst benannte, stand im regen Briefwechsel mit Niépce.

Das Monster von Loch Ness

Angeblich 1934 vom britischen Arzt Robert Wilson aufgenommen, zeigt das verschwommene Bild eine der populärsten Mythen überhaupt: Nessi, das Ungeheuer aus dem schottischen Loch Ness. Heute ist man sich sicher, dass es sich um eine Fälschung handelt.

Die Hindenburg Katastrophe

Am 6. Mai 1937 geht der Zeppelin LZ 129 "Hindenburg", eines der beiden größten je gebauten Luftschiffe, in Flammen auf. 36 Menschen sterben bei der Landung in Lakehurst (New Jersey) als sich die Wasserstofffüllung entzündet. Die Fotografie von Sam Shere ist die bekannteste Aufnahme des Unglücks.

George Mendosa, der "küssende Seemann" vom Times Square

Als der Zweite Weltkrieg am 14. August 1945 zu Ende geht, findet sich der Fotograf Alfred Eisenstaedt bald mitten im Tumult auf dem Times Square wieder. Auf einmal nimmt ein Matrose vor seinen Augen eine Krankenschwester in die Arme und küsst sie. Eisenstaedts leidenschaftliches Foto hielt einen Moment ungezügelter Freude fest (obwohl heute argumentiert wird, dass dies als sexueller Übergriff betrachtet werden sollte), der als einer der berühmtesten Küsse überhaupt gilt. Sein Bild avancierte zum am häufigsten reproduzierten Bild des 20. Jahrhunderts. "Die Leute sagen mir, wenn ich im Himmel bin, werden sie sich an dieses Bild erinnern", so Eisenstaedt. Der berühmte Matrose, George Mendosa, verstarb heuer am 17. Februar.

"Stars and Stripes" auf Iwo Jima

Am 19. Februar 1945 landen US-Truppen 760 Meilen von Tokio - es entbrennt die Schlacht um die Insel Iwo Jima, die die USA als Stützpunkt brauchen. 6.800 Amerikaner und 21.000 Japaner kommen dabei ums Leben kamen. Am fünften Tag der Schlacht erobern die Marines den Suribachi-Berg, eine amerikanische Flagge wird zügig gehisst. Zwei Tage später war das Foto von Kriegsfotograf Joe Rosenthals Foto auf allen Titelseiten in den USA. Es wurde schnell zum Symbol der Einheit der Soldaten. Rosenthal erhielt einen Pulitzer-Preis, das Foto wurde für Briefmarken reproduziert und als Denkmal in Bronze gegossen.

Der brennende Mönch

Am 11. Juni 1963 lässt sich Thích Quảng Đức in Saigon zunächst mit Benzin übergießen und zündete sich dann selbst an. Scheinbar völlig ruhig sitzt der vietnamesische Mönch auf dem Asphalt und verbrennt - als Protest gegen die Unterdrückung der buddhistischen Bevölkerung in Vietnam. Malcolme Brownes Foto  ließ selbst US-Präsident Kennedy nicht unberührt. Kein Bild habe je so "viele Emotionen rund um die Welt hervorgerufen", wie dieses. Es erhielt den Pulitzer-Preis.

Der zweite Mann auf dem Mond

Am 20. Juli 1969 betritt Buzz Aldrin, während der Apollo 11 Mission, als zweiter Mensch den Mond. Neil Armstrong spiegelt sich im Visier seines Helms, während er das Foto macht.

Das Gesicht des Krieges

Sie weint, sie schreit "Zu heiß! Zu heiß!" und rennt nackt ein paar Meilen von Saigon entfernt die Straße hinunter, um dem Napalm zu entfliehen. Die Neunjährige Phan Thi Kim Phuc wird am 8. Juni 1972 von der Brandwaffe schwerst verletzt und zum Symbol der Gräueltaten im Vietnamkrieg. Ein Jahr später erhielt das weltbewegende Bild den Pulitzer-Preis und die amerikanische Beteiligung an diesem Krieg endete.

Der Panzer-Mann

Am Tag nach dem Tiananmen-Massaker im Juni 1989, bei dem auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Beijing studentische Proteste blutig niedergeschlagen worden waren, sitzt Fotograf Jeff Widener auf dem Balkon seines Hotelzimmers. Während er die Folgen dokumentiert, rollen Panzer auf den Platz. Ihnen entgegen stellt sich ein einzelner Zivilist, der sich weigert, den Weg frei zu machen. Der Unbekannte wird auf der ganzen Welt zum Symbol des Widerstands.